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Mazedonien ist polarisiert

Von Markus Rapp

Politik

Skopje/Brüssel/Wien - Nach dem Sturm bewaffneter mazedonischer Polizeireservisten auf das Parlament hat Staatspräsident Boris Trajkovski in einer Fernsehansprache vor einem Bürgerkrieg gewarnt. Doch die Krise verschärft sich täglich: Amerikaner, Briten und Deutsche forderten am Mittwoch ihre Bürger auf, das Land zu verlassen. Der neue Krisenbeauftragte der EU, François Leotard, will Skopje weiterhin zu Verhandlungen mit den Albaner-Rebellen bewegen.


Diese jedoch würden weiterkämpfen, solange ihre Forderungen nicht erfüllt seien, sagte einer ihrer Führer, Drin Korabi, am Mittwoch. Die UCK sei "gezwungen, anzugreifen. Unsere Strategie und Taktik wird anders als bis jetzt sein, und wir werden unsere Gebiete ausweiten". Bereits am Dienstag hatte die UCK gedroht, auf Skopje vorzurücken.

Mehrere Dörfer umkämpft

Rund um die Stadt Tetovo sind erneut Kämpfe ausgebrochen. Ein Armeesprecher teilte mit, die Freischärler hätten auch Polizeistationen in Dörfern rund um Skopje angegriffen. Auch bei Kumanovo werde wieder gekämpft. Die mazedonische Armee suchte mit Kampfhubschraubern, schwerer Artillerie und Panzern gegen die wendige UCK vorzugehen. Der als Hardliner bekannte Ministerpräsident Ljubco Georgievski glaubt immer noch, Mazedoniens Sicherheitskräfte könnten die Rebellen siegreich bekämpfen.

Reisewarnungen

Die USA und Großbritannien haben bereits ihren Bürgern von Reisen in das zunehmend polarisierte Balkanland abgeraten. Auch Deutschland hat am Mittwoch eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen.

Der neue Mazedonien-Beauftragte der EU, der frühere französische Verteidigungsminister François Leotard, hat Skopje indes von Brüssel aus zu Direktgesprächen mit der UCK aufgerufen. Skopje müsse mit den Rebellen sprechen, "damit eine Einigung erzielt und Frieden geschlossen werden kann", so Leotard, der heute, Donnerstag, in Skopje erwartet wird. Bisher weigert sich die Regierung, mit der UCK zu verhandeln, die sie "Terroristen" nennt, aber unter Druck von NATO, OECD und EU und zur Empörung der slawisch-stämmigen Mazedonier mitsamt ihren Waffen aus Aracinovo abziehen lassen musste.

"Ethnische Säuberungen"

Bei einem Treffen mit Bundespräsident Thomas Klestil in Wien bezeichnete der Präsident der Demokratischen Liga Kosovos (LDK), Ibrahim Rugova, die Flucht von über 50.000 Albanern vor Kampfhandlungen in das Kosovo als "ethnische Säuberungen". Beobachter meinen indes vermehrt, dass die nach dem NATO-geführten Kosovokrieg gegen Jugoslawien arbeitslos gewordene, doch von der KFOR keineswegs entwaffnete UCK den Konflikt nach Mazedonien getragen habe, um die Unabhängigkeit des Kosovo zu erzwingen - was auch das Ziel dieses als gemäßigt geltenden Politikers ist.