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McCain auf der Siegerstraße

Von Alexander U. Mathé aus Miami

Politik
In strahlener Laune: John McCain nach seinem neuerlichen Erfolg in Florida. Foto: ap

Vom Außenseiter zum Favoriten der Republikaner. | 36 Prozent für John McCain, 31 für Mitt Romney, 15 für Rudy Giuliani. | Miami. Verbissen kämpfen, trotz anfänglicher Unterlegenheit niemals aufgeben und schließlich siegen: Ein Ideal wie es Amerikaner im Boxepos "Rocky" lieben, ein Bild wie es John McCain verkörpert. Passend also erschallte im Miami-Hilton die Musik des cineastischen Heldendramas, bevor der 71-Jährige am Dienstagabend die Bühne betrat, um seinen Sieg in Florida zu feiern.


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In dem südlichen Bundesstaat hat McCain bei der Vorwahl der Republikaner zur US-Präsidentschaftskandidatur 36 Prozent der Stimmen erhalten und sein Hauptkonkurrent Mitt Romney 31 Prozent. Dritter wurde der Ex-Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, mit 15 Prozent der Stimmen. Dieser Sieg hat dem Senator von Arizona die Tür zur Kandidatur für das Präsidentenamt der USA weit geöffnet. Doch vor einem halben Jahr noch war McCain bereits am Boden.

Wegen Geldmangels für den Wahlkampf und seines hohen Alters bereits angezählt, räumte dem totalen Außenseiter im Sommer 2007 praktisch niemand mehr eine Chance ein. Zu allem Überdruss war der Vietnamveteran wegen seiner Befürwortung des Irakkriegs nicht gerade beliebt. Doch McCain rappelte sich wieder auf. Bei der ersten Vorwahl im Jänner in Iowa belegte er noch den vierten Platz, doch ab da landete er einen Treffer nach dem anderen: Sieg in New Hampshire, Sieg in South Carolina und jetzt Florida.

McCains Konkurrenten hängen in den Seilen

Mittlerweile hängen McCains Konkurrenten in den Seilen: dem finanzschwachen Mike Huckabee ist seit Iowa kein Sieg mehr gelungen und Romney bleibt trotz guter Ergebnisse vielen Amerikanern wegen seiner mormonischen Religion suspekt.

Noch am Mittwoch wollte Giuliani das Handtuch werfen. Seine riskante Taktik, die ersten Vorwahl-Staaten nicht weiter zu beachten und dafür mit Siegen in Florida und am Super-Dienstag zu reüssieren, ist schon am ersten Staat gescheitert. Die weiteren 22 Staaten, die am 5. Februar wählen, kann sich der 9/11-Held somit auch sparen.

Giuliani konnte nicht überzeugen

Giulianis Hoffnungslosigkeit war bereits am Vorabend der Wahl spürbar. Mehr Kritiker als Fans hatten sich in der leidlich gut gefüllten Aula der Florida International University versammelt, um an dem teilzuhaben, was Giulianis letzter Wahlkampfauftritt werden sollte. Dort erklärte er, dass er nichts von einer flächendeckenden Gesundheitsvorsorge halte: "Ich lasse euch selbst über eure Gesundheitsvorsorge entscheiden!" "Als Präsident werde ich dafür sorgen, dass wir alle wieder nach Kuba fahren können", versprach Giuliani weiter und: "Wir werden auf dem Mars vor jedem anderen landen." - Pläne, die die Wähler offensichtlich nicht wirklich überzeugten.

Nach der Niederlage wollte Giuliani dem Nachrichtensender CNN zufolge seine Wahlempfehlung für McCain bekanntgeben, der mit dieser Unterstützung im Rücken so gut wie sicher die nötigen Siege am Super-Dienstag einfahren dürfte, um der Präsidentschaftskandidat der Republikaner bei den Wahlen am 4. November zu werden.

Ohne die offizielle Bekanntgabe abzuwarten, dankte McCain seinem früheren Rivalen in seiner Triumphrede am Dienstagabend. Tosender Applaus der dicht gedrängten Fans im Saal schwappte ihm entgegen. "Mac is back, Mac is back", skandierten die Massen. "Mac ist zurück", er hat sich nach dem Beinahe-K.o. wieder erhoben und ist nun stärker als je zuvor zum Siegen bereit.