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McCain hat wieder Oberwasser

Von Herbert Winkler

Politik

Washington · Die Achterbahnfahrt der republikanischen Präsidentschaftsbewerber in den USA geht weiter. Nur zwei Tage nach seiner deprimierenden Niederlage in South Carolina, die schon als | Anfang vom Ende bezeichnet worden war, hauchte Senator John McCain seiner Kandidatur mit Siegen über den Favoriten George Bush jr. in Michigan und seinem Heimatstaat Arizona wieder Leben ein.


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"Bei jedem Rennen geht es um alles oder nichts", weiß McCain, und mit neuem Schwung steuert er nun den Superdienstag am 7. März mit republikanischen Vorwahlen in 13 Staaten an. Dabei wird es um

über die Hälfte der 1.035 Delegierten gehen, die Anfang August auf dem Wahlkongress in Philadelphia zur Nominierung zum Kandidaten für die Wahl am 7. November erforderlich sind.

Vorher gibt es noch Ende dieses Monats drei Abstimmungen in den Staaten Washington, North Dakota und Virginia.

Im hart umkämpften Michigan trugen McCain nach Wählerbefragungen jene zum knappen Erfolg, die ihm schon in New Hampshire den Sieg gebracht hatten, in South Carolina aber zu oft zu Hause

geblieben waren: die Unabhängigen und die Mitglieder der Demokratischen Partei. 51 Prozent der Abstimmenden in Michigan kamen aus diesen Gruppen, nur 49 Prozent waren Republikaner. Kein Wunder, dass

im Bush-Lager von einem "gestohlenen Sieg" gesprochen wird.

Der 63 Jahre alte McCain hat bisher seine ganze Taktik darauf ausgerichtet, parteifremde Wähler anzuziehen und wie einst Ex-Präsident Ronald Reagan eine neue, Parteigrenzen überschreitende

Mehrheit aufzubauen. In dem Michigan-Sieg sehen der einstige Vietnam-Kriegsgefangene und seine Berater einen Beweis dafür, dass er in den bevölkerungsreichen, vielfältigen und weniger konservativen

Staaten exzellente Chancen hat · etwa in Kalifornien oder in New York. Aber nicht nur das: Er sei auch bei der Wahl im Herbst der gefährlichste Gegner für den Kandidaten der Demokratischen Partei.

Analytiker verweisen jedoch darauf, dass McCain ohne eine stärkere Gefolgschaft aus dem republikanischen Lager kaum Aussichten auf die Nominierung habe. Denn von nun an zählen bei den Vorwahlen

überwiegend nur die Stimmen der Parteimitglieder für die Delegiertenverteilung, selbst wenn, wie in Kalifornien, alle mitstimmen können. McCain appellierte daher bereits in der Vorwahlnacht

an die Republikaner, ihn zu unterstützen. "Ich bin ein stolzer Reagan-Republikaner. Ich liebe die Republikanische Partei. Sie ist mein Zuhause . . . Habt keine Angst vor dieser Kampagne, schließt

Euch ihr an."

McCains Chance liegt darin, dass die Zweifel an der Stärke des texanischen Gouverneurs Bush so stark werden, dass sich seine Förderer und Gefolgsleute von ihm abwenden. Kommentatoren verwiesen

darauf, dass Bush sich seinen Sieg in South Carolina mit einem scharfen Rechtsruck und einer Allianz mit der stockkonservativen religiösen Rechten erkauft habe. Das könne ihn noch teuer zu stehen

kommen.