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McCreevy-Rüffel für Nicolas Sarkozy

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

"EU-Kommission dient nicht der Förderung französischer Interessen." | Brüssel. EU-Kommissare sind dazu verpflichtet, die Interessen der EU zu vertreten. Dabei müssen sie laut Verhaltenskodex unabhängig von ihren Ländern agieren. Dass das in den Hauptstädten gerne anders gesehen wird, prangerte der scheidende Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy kurz vor Weihnachten an. Speziell den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nahm er aufs Korn: Dieser habe sich selbst entlarvt.


Als "Sieg über den angelsächsischen Kapitalismus" habe der Franzose die Besetzung des künftigen EU-Kommissars für Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen mit Michel Barnier bezeichnet, wetterte der bisherige irische Amtsinhaber. Bei den Bankern in London war vorübergehend grobe Beunruhigung für die Betrauung Barniers mit den Finanzmarktagenden ausgebrochen.

Die Aussagen Sarkozys belegten, dass dieser die EU-Kommission nicht für die Förderung europäischer sondern vielmehr französischer Interessen sehe, so McCreevy. Damit habe er "ein für alle Mal mit dem Mythos aufgeräumt, dass EU-Kommissare die nationalen Interessen und politischen Prioritäten ihrer Heimatländer zurücklassen und ausschließlich im Gemeinschaftsinteresse handeln. Das gilt zumindest sicherlich nicht für die Franzosen." Sarkozy erwarte, dass sich der frühere Außen- und Landwirtschaftsminister Barnier und seine Mitarbeiter wie eine Abteilung des Elysée-Palastes verhalten werden. Trotz dieser Kritik konnte der scheidende Kommissar auch Bewunderung für den französischen Einfluss in der EU nicht verhehlen: Dieser sei "beeindruckend".