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Medaillenjagd ist Privatsache

Von Simon Rosner

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In der Sportförderung muss sich Grundsätzliches ändern: Statt Großereignissen und Einzelsportlern muss Infrastruktur gefördert werden.


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Sportminister Norbert Darabos hat sich schon zur Halbzeit der Spiele enttäuscht über das Abschneiden der Österreicher gezeigt. Und besser ist es seither auch nicht geworden. Die Enttäuschung ist nachvollziehbar, schließlich fließt mehr Geld denn je, fast doppelt so viel wie noch vor Athen 2004, in den heimischen Sport. Die Ausbeute ist ernüchternd. Doch abgesehen davon, dass sich Darabos durch seine Kritik angreifbar gemacht hat, schließlich harrt die von ihm initiierte Reform des Förderwesens nach wie vor einem parlamentarischen Beschluss, darf die Medaillenjagd nie primäres Ziel der Sportpolitik sein. Das ist ein eher gefährliches Terrain (Stichwort: DDR). Medaillen sollten nie mehr als eine positive Auswirkung von guten Rahmenbedingungen sein.

Das Beispiel China zeigt zwar, dass auch ohne echten Breitensport Erfolg bei Olympischen Spiele möglich ist, doch ist dieses System für ein Land wie Österreich völlig untauglich.

Hierzulande fließt das Geld aus den beiden großen Fördertöpfen (Allgemeine und Besondere Sportförderung) sowohl in den Spitzen- als auch in den Breitensport. Das wird und soll auch so bleiben. Aus dem Arbeitspapier zur Reform, das das Sportministerium ausarbeiten ließ, geht hervor, dass künftig zielgerichteter gefördert werden soll. Insgesamt lesen sich die Vorschläge in dem Papier recht gut. Allerdings muss Geld künftig auch aus anderen Töpfen kommen. Im Förderbericht der Jahre 2007 bis 2010 finden sich einige Sozialprojekte sowie Projekte zur Gesundheitsvorsorge, die zwar allesamt wichtig sind, bei denen der Sport aber mit seinem schmalen Budget nicht als Financier auftreten kann. Sportler, die bei Olympia Medaillen holen wollen, sollten sich nicht mit Pflegeheimen, die Sturzprävention anbieten, um Geld streiten. Das ist absurd.

Viel Geld ist in den vergangenen Jahren auch in Großereignisse geflossen. Die Politik argumentiert das mit Wertschöpfung, der Sport hofft auf mediale Aufmerksamkeit. Doch tatsächlich dienen diese Ereignisse nicht zuletzt auch der Repräsentation und der Selbstverwirklichung der Funktionäre, auch wenn ein Großereignis vor der Haustüre für Athleten natürlich schon eine Motivation und für den Sport eine Plattform darstellt.

Die Reform der Förderstruktur ist sicher notwendig, aber sie wird ein Grundsatzproblem des heimischen Sports nicht lösen. Trotz vieler Großereignisse ist die Infrastruktur jenseitig. Doch das ist eine der Uraufgaben von Sportpolitik. Sie muss Möglichkeiten bereitstellen, um Sport zu betreiben, sie muss Kinder zur Bewegung bringen - und natürlich muss sie auch Bedingungen für Leistungssport schaffen. Das alles kommt der Allgemeinheit zugute. Die Medaillenjagd ist schlicht ein privates Vergnügen. Doch statt Infrastruktur zu schaffen, die allen zur Verfügung steht, wird einzelnen Athleten ein Trainingslager im Ausland bezahlt, damit diese sich besser vorbereiten können. Das ist unlogisch und keine seriöse Verwendung von Steuermitteln.

Olympia 2012