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Mediale Askese oder mentaler Saumagen

Von Judith Belfkih

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Das Informationszeitalter stößt an seine Grenzen. Die ungebremste, ungefilterte Aufmerksamkeit der globalen Netzgemeinde scheint immer mehr Menschen zu viel zu werden. US-Model Chrissy Teigen etwa hat sich entschieden, ihre Beiträge auf Twitter zu verbergen. Sie sind nur noch für von ihr bestätigte Nutzer zu sehen. "Ich fühle mich so, als ob ich die ganze Zeit schlechte Dinge in mir aufnehme. Mein Körper und Geist können damit nicht mehr umgehen", argumentierte sie.

Bei 2,8 Millionen Followern ist das kein Wunder. Im August hatte bereits Teenie-Schwarm Justin Bieber, der bisher nicht durch mediale Askese aufgefallen war, seinen Instagram-Account für die Öffentlichkeit gesperrt, nachdem Fotos mit seiner mutmaßlich neuen Freundin für gehässige Kommentare gesorgt hatten.

Die italienische Bestsellerautorin Elena Ferrante hat sich gleich für die Pseudonymität entschieden, um gar nicht erst ins mediale Blitzgewitter zu geraten. Dass ihre wahre Identität diese Woche nun wirklich gelüftet wurde, bleibt ihr nicht zu wünschen. Doch ein Recht auf Privatsphäre scheint es im digitalen Informationszeitalter kaum noch zu geben.

Man kann sie alle aber auch als Normalnutzer verstehen: Bei der entgleisenden Tonart mancher Kommentare bräuchte es einen mentalen Saumagen, um den verbalen Müll zu verdauen.

Den Spaß nicht verderben lässt sich davon Anthony Hopkins: Er hat sich nun im zarten Alter von 78 einen Twitter-Account zugelegt. Er dreht gerade einen neuen Film. Und wird das Medium wohl als das nutzen, wozu es immer mehr verkommt: als gezielt eingesetztes PR-Instrument.