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Mediale Leichenfledderei

Von Edwin Baumgartner

Kommentare

Als ob der Absturz des Airbus mit 150 Todesopfern nicht tragisch genug wäre: Was sich in der Folge in Fernsehen und Internet abspielte, spottet jeder Beschreibung. Ohne die geringste Rücksicht auf die Hinterbliebenen wurde Quote gemacht mit Pseudo-Nachrichten und Kaffeesudgequassel bis hin zu Verschwörungstheorien.

Dass Information weitergegeben wird, ist völlig in Ordnung - wenn es tatsächliche, also bestätigte und nachweisbare, Information ist. Doch was die meisten TV-Sender machten, war, ihre Moderatorinnen und Moderatoren mit wohlantrainiertem Betroffenheitsblick echten Experten und angeblichen Experten in endloser Parade die ewig gleichen Fragen zu stellen, die, auf den Punkt gebracht, schlicht lautete: "Können Sie uns erklären, was geschehen ist?" Worauf ein Expertengefasel folgte - logisch, denn ohne die Daten der Flugschreiber und ohne einen Notruf, der das Problem nennt, weiß auch ein Experte nichts. Wozu also das Ganze? Weil auch eine Katastrophe vor allem eine mediale Show ist?

Doch das war harmlos gegen die Kommentare im Internet: Putin sei schuld, weil Putin ja prinzipiell an allem schuld ist, woran nicht "der Islam" schuld ist - der natürlich auch genannt wurde von wegen Terrorakt. Wahlweise steckten auch die deutsche und die griechische Regierung dahinter, um von dem Finanzdesaster abzulenken. So öffnete sich hasserfüllten Spekulationen Tür und Tor. Niemand fühlte sich verantwortlich, solche Idiotien zu löschen.

Wobei: Das Internet ist anarchisch, geschenkt. Aber TV-Sendern, egal ob privat oder staatlich, ist Qualität zumutbar.