Medien profitierten vom Inseratenplus des Finanzministeriums

Politik

Als Thomas Schmid aufstieg, wuchs das Werbebudget rasant. Mit Auffliegen der Inseraten-Affäre ging es steil bergab.


Mittlerweile 1.100 Seiten hat der Akt rund um die Causa Dichand, die sich aus Zeugenaussagen des ehemaligen Generalsekretärs im Finanzministerium Thomas Schmid ergeben hat. Schmid belastete sich und andere Personen vergangenes Jahr in mehreren Einvernahmen bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) schwer. Er will den Kronzeugenstatus erreichen, dafür musste er der Staatsanwaltschaft noch nicht bekannte, strafrechtlich relevante Fälle liefern. Lügt er, macht er sich selbst erneut strafbar.

Kurz nach Rücktritt des damaligen ÖVP-Chefs Reinhold Mitterlehner soll Schmid, so der Vorwurf der WKStA, den Herausgebern von "Heute" und "Kronen Zeitung", Eva und Christoph Dichand, Zeitungsinserate zukommen haben lassen, um eine freundlichere Berichterstattung für Sebastian Kurz zu erhalten. Es sei ihm bewusst gewesen, dass Inseratenschaltungen "ein ganz großer Wunsch" der Herausgeber seien, gab Schmid zu Protokoll, wie Ö1 berichtet. Gleichzeitig soll er sich im Sinne Eva Dichands in einer Reform des Privatstiftungsgesetzes eingebracht haben.

Das nun medial zitierte Dokument ist quasi die Langversion der Vermutungen, die die WKStA schon in ihrem Hausdurchsuchungsersuchen darlegen musste. Daraus ergibt sich vor allem ein besseres Bild des Verhältnisses zwischen Thomas Schmid und der Herausgeberfamilie Dichand.

Ausgesprochen sei die Forderung nach mehr Inseraten für gute Berichterstattung aber nie geworden, meint Schmid. Er spricht von einem "stillschweigenden Commitment" mit Eva Dichand. Die Anwälte der Dichands und von Kurz widersprechen dem.

Knapp neun Millionen Euro

Zahlen der Regulierungsbehörde zeigen, wie sehr die Werbebuchungen des Finanzministeriums unter Schmid gestiegen sind. Und: Neben dem Boulevard stiegen die Ausgaben auch für Medien des Styria Verlags ("Kleine Zeitung" und "Presse"), während die Ausgaben für den "Standard" annähernd konstant blieben. Mit dem Rücktritt von Kurz ging das Werbebudget rapide zurück. (pak)