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Mehr Absicherung für Unternehmer

Von Erich Wolf

Wirtschaft

Arbeitslosenversicherung auf einer | freiwilligen Basis. | Für Auftraggeber werden die freien | Dienstnehmer teurer. | Wien. Der österreichische Gesetzgeber verstärkt die soziale Absicherung und die Flexibilität für Unternehmer. Am 4. Dezember 2007 hat der Nationalrat mit einem neuen Gesetzesbeschluss die Reichweite der Arbeitslosenversicherung deutlich erhöht.


Ab 1. Jänner 2008 sollen zunächst alle freien Dienstnehmer gegen Arbeitslosigkeit und Insolvenz des Arbeitgebers versichert werden.

Die Qual der Wahl

Ab 1. Jänner 2009 erfolgt in einem zweiten Schritt die Ausweitung auf Selbständige, die sich mittels eines freiwilligen Optionen-Modells in die Versicherung einklinken können. Jungunternehmer - also solche Unternehmer, die mit 1. Jänner 2009 ihre selbständige Tätigkeit aufnehmen, haben sechs Monate Zeit, um ihren Eintritt in die Arbeitslosenversicherung zu erklären. Alteingesessene Unternehmer haben eine längere Bedenkzeit: Wer bereits vor 2009 selbständig ist, kann sich bis zum 31. Dezember 2009 überlegen, ob er arbeitslosenversichert sein will oder nicht.

Die Beitragshöhe für die Arbeitslosenversicherung kann frei gewählt werden und macht entweder 1,5 Prozent, 3 Prozent oder 4,5 Prozent der Sozialversicherungs-Höchstbeitragsgrundlage aus. Der Mindestbeitrag pro Monat beträgt 67,20 Euro. Dafür gebühren im Fall der Arbeitslosigkeit 544 Euro monatlich. Wer den höchstmöglichen Beitrag, nämlich 201,60 Euro im Monat einzahlt, bekommt im Fall der Arbeitslosigkeit rund 1180 Euro. Arbeitslosengeld gibt es allerdings für den Unternehmer nur, wenn er seine Tätigkeit komplett einstellt, diese bloß zu verringern reicht somit nicht aus.

Eine weitere Verbesserung gibt es für Selbständige bereits ab nächstem Jahr. Da startet für sie auch die "Abfertigung neu". Freie Dienstnehmer und Gewerbetreibende sind zur Beitragspflicht von 1,53 Prozent der Bemessungsgrundlage zur Krankenversicherung verpflichtet. Freie Dienstnehmer kosten ihren Auftraggebern daher künftig mehr. Der Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung erhöht sich um satte 5,31 Prozentpunkte von bisher 17,45 auf 22,76 Prozent. Auch der freie Dienstnehmer muss selbst mehr zahlen - sein Anteil erhöht sich auf 16,92 Prozent.

Freiberufler und Land- und Forstwirte können freiwillige Abfertigungsbeiträge zahlen, wenn sie sich mittels Optionserklärung hierzu verpflichten möchten. Die Vorteile einer Beitragszahlung liegen auf der Hand: Einzahlungen in die Abfertigungskasse stellen abzugsfähige Betriebsausgaben dar, die Abfertigungszahlung wird mit nur 6 Prozent günstig besteuert oder ist als lebenslange Rente überhaupt steuerfrei.

Besonders profitieren Selbständige auch beim Kindergeld. Hier schafft der Gesetzgeber neue Flexibilität. Ab Jahresbeginn 2008 stehen drei Varianten zur Auswahl. Falls beide Eltern abwechselnd Kinderbetreuungsgeld beziehen, gibt es entweder maximal drei Jahre lang monatlich 436 Euro, maximal zwei Jahre lang 624 Euro oder maximal eineinhalb Jahre lang den Höchstbetrag von 800 Euro.

Wenn nur ein Elternteil Kinderbetreuungsgeld bezieht, zahlt der Staat nur bis zum 30., 20. oder 15. Lebensmonat des Sprösslings das Geld aus. Ist der Kindersegen durch eine Mehrlingsgeburt besonders groß, gibt es noch zusätzlich 50 Euro monatlich.

Zuverdienstgrenze steigt

Während der Karenz darf in Zukunft mehr Geld verdient werden: Die Zuverdienstgrenze steigt ab 2008 von 14.600 Euro auf 16.200 Euro. Unter Zuverdienst fallen dabei alle steuerpflichtigen Einkünfte, also auch solche aus Vermietung und Kapitalvermögen sowie Arbeitslosengeld und Notstandshilfe. Gegenüber Zuverdienst-Sündern lässt der Staat etwas Milde walten. In Zukunft wird nicht mehr das gesamte Kindergeld zurückgefordert, sondern nur mehr jener Betrag, um den die Zuverdienstgrenzen überschritten wurden.

Von der neuen Flexibilität beim Kinderbetreuungsgeld werden natürlich auch Angestellte profitieren. Sie müssen allerdings aufpassen - der 13. und 14. Monatsbezug fließen zu 30 Prozent in die Zuverdienstgrenze ein.

Erich Wolf ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Wien.