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Mehr als ein Farewell für Kirchgasser

Von Christian Mayr

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So befreit auflachen hat man Michaela Kirchgasser schon lange nicht mehr gesehen: "Leichter habe ich ihnen die Entscheidung damit nicht gemacht", meinte sie im Zielstadion von Lenzerheide. Wo sie nicht etwa mit einem tollen Resultat die Trainer zu einem Last-Minute-Ticket für die Olympischen Spielen motiviert hätte, sondern - ganz im Gegenteil - durch einen Ausfall und vorher schwache Fahrt wieder kein Resultat lieferte. Womit die 32-Jährige, die ihre Karriere eigentlich mit dem Großereignis in Pyeongchang ausklingen lassen wollte, nun die Winterspiele eigentlich im Fernsehen verfolgen müsste. Eigentlich. Denn die neuerlich an Knieproblemen laborierende Salzburgerin hat heuer genau ein einziges Rennen ins Ziel gebracht und nur einen elften Rang vom Slalom in Levi als Resultat stehen. In Killington, Flachau und nun in der Kombination von Lenzerheide ist Kirchgasser jeweils ausgeschieden. Das reicht normalerweise nie und nimmer für einen Platz im Flieger nach Südkorea. Allerdings werden die Trainer bei ihrer Entscheidung andere Faktoren berücksichtigen - und diese haben eher nichts damit zu tun, dass man der allseits beliebten "Kirchi" ein nettes Farewell gönnen will. Vielmehr hat sie bei Großereignissen oft bewiesen, dass sie dort trotz bescheidener Form über sich hinauswachsen kann. So beim WM-Slalom 2013 in Schladming (Silber); so bei den WM-Kombinationen in Beaver Creek 2015 und St. Moritz 2017 (jeweils Bronze). Nicht zu vergessen ihr beherzter Einsatz bei den drei Team-Goldenen 2007, 2013 und 2015. Nachdem dieser Bewerb in Pyeongchang erstmals olympisch ist und Österreichs Damen keine andere Kombiniererin mit Medaillenpotenzial haben, steigen Kirchgassers Chancen damit an. Einen Versuch wäre es zumindest wert.