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Mehr als Pad Thai und Frauen

Von Solmaz Khorsand

Politik
Tänzer aus Bangkok vollführen jeden Tag traditionelle Tänze auf der Hauptbühne.
© Thailändische Botschaft

Bis Sonntag feiert Wien sein erstes Thai-Festival auf der Kaiserwiese.


Wien. Mit dem Eifer eines Teenagers, der seine ersten Pickel ausdrückt, macht sich Julie an den Nacken ihrer Kunden. Gnadenlos drückt die zierliche Thai-Dame gegen jeden vermeintlichen Knoten. "Honey, da unten ist es", sagt sie und drückt noch fester zu. Seit acht Jahren massiert die Mittvierzigerin verspannte Nacken, harte Schultern und trockene Lenden. Dieser Tage bietet sie ihre Dienste auf einer Pritsche auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad an.

Hier haben ihre Landsleute für fünf Tage ein regelrechtes Thai-Dorf aus dem Boden gestampft. Bis 7. Juli kann man hier von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends Pad Thai, das Reisnudelgericht mit Erdnüssen und Koriander, genießen, sich bei Singha Bier erfrischen und sich gleich in fünf Zelten massieren lassen. Organisiert wird das erste Wiener Thaifestival von der thailändischen Botschaft, anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Thailand und Österreich.

Laut Angaben der Statistik Austria leben rund 5000 gebürtige Thailänder in Österreich, in Wien sind es knapp 1500 Männer und Frauen. Die meisten von ihnen seien Studenten, Fachkräfte und viele angeheiratete Thailänderinnen, die in Wien als Hausfrauen leben, wie die erste Sekretärin der thailändischen Botschaft und Festivalorganisatorin Chompoonut Arthakaivaltee erklärt.

"Mit dem Festival wollen wir ‚Sanook‘ (Thai für "Spaß") vermitteln", sagt sie. Sie weiß um das Image ihres Geburtslandes. Dass das "Land des Lächelns", wie es so gerne bezeichnet wird, in der Wahrnehmung vieler Touristen eben nicht vor allem für Pad Thai, Kampfboxen und traditionellen Tanz steht. "Bei Thailand denken alle nur an Frauen und die Massagen. Doch wir haben auch sehr viel Kultur", sagt sie. Bis Sonntag hat sie Zeit ein anderes Image ihres Landes in den Köpfen der Österreicher zu etablieren.

Oft wurde Masseuse Julie mit dem bisherigen Image konfrontiert. Dann, wenn sie massige Männer fragten, ob sie nicht auch weiter unten Hand anlegen könne, bei ihren Massagen. Ihre Reaktion: ein breites Lächeln - und der Wink zur Tür.