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Mehr an Patienten denken

Von Ina Weber

Politik

Die neue Chefarztregelung könnte laut Ärztekammer erneut im Chaos enden, das System sollte wieder patientenfreundlicher werden.


Zahlreiche Forderungen an den Hauptverband der Sozialversicherungsträger stellten gestern in einer Pressekonferenz Ärztekammer-Präsident Reiner Brettenthaler und Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie Niedergelassener Ärzte. "Über das neue Boxen-System wird vielen Patienten ihre Therapie vorenthalten", erläuterte Pruckner. Denn: Medikamente "mit niedriger Erfolgsquote" werden nicht mehr bewilligt. So müssten Patienten mit Hörsturz zukünftig ins Spital. Die so genannte "No Box" (nicht bewilligte Medikamente) und der "gelbe Bereich" (Medikamente, deren Verschreibung vom Hauptverband kontrolliert werden kann) sollten rasch überarbeitet werden.

Für "übereilt" hält Ärztekammer-Präsident Reiner Brettenthaler das Mitziehen des Automatischen Bewilligunssystems (ABS) mit der E-Card und warnt vor einer nicht bewältigbaren Zahl von Bewilligungen in den Ordinationen. Die Entwicklung der E-Card sei erst einmal abzuwarten, der Haupverband sollte zuerst seine Hausaufgaben machen, meinte Brettenthaler.

Aufgrund des enormen Verwaltungsaufwandes fordern Österreichs Ärzte eine stärkere Reduktion bewilligungspflichtiger Medikamente. Für Brettenthaler wäre eine vollständige Abschaffung optimal.

Der Hauptverband möchte die chefärztliche Kontrolle jedoch nicht aufgeben. Josef Probst, Geschäftsführer im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, erwartet sich durch das neue Boxen-System weniger Bewilligungen: Die derzeit jährlich rund fünf Mio. Euro Verschreibungen sollen auf eine Million reduziert werden. Dieses Ziel sei jedoch nur in Kooperation aller Beteiligten erreichbar, meinte Probst. Ärztekammer-Präsident Brettenthaler setzt große Hoffnungen in den neuen Chef des Hauptverbandes, Erich Laminger: "Er sollte sich im Haus durchsetzen".