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Mehr Firmenpleiten erwartet

Von Kid Möchel

Wirtschaft

KSV-Experte Zotter sieht Insolvenzen in Zukunft steigen.


Wien/Linz. Am Pleitenhorizont haben sich zwar die Gewitterwolken der Wirtschaftskrise verzogen, doch die nächsten Gewitter brauen sich schon zusammen.

Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm. Laut Hans-Georg Kantner vom KSV1870 haben sich die Unternehmensinsolvenzen in den ersten neun Monaten 2011 um 6,6 Prozent auf 4462 Fälle - zum Vergleichszeitraum des Vorjahres - verringert. Die Schulden der Pleitefirmen sind sogar um ein Fünftel auf zwei Milliarden Euro gesunken. Außerdem sind heuer zehn Prozent weniger Dienstnehmer (15.700 Personen) von Insolvenzen betroffen als im Vorjahr.

Die Bundesländer Vorarlberg, Salzburg und Kärnten verbuchen weiter deutliche Rückgänge bei den Firmenpleiten, weil sie hinter der bundesweiten Entwicklung nachhinken. Doch in anderen Bundesländern, wie in Oberösterreich, zeichnet sich bereits eine unerfreuliche Trendumkehr ab.

"In Oberösterreich kam es 2009 infolge der Wirtschaftskrise zu einem Insolvenzrekord, doch die Lage hat sich im Vorjahr überraschenderweise rasch erholt", sagt Otto Zotter, Leiter der Landesstellen des KSV1870. "Im ersten Quartal 2011 ist die Erholung abgerissen, seit dem zweiten Quartal ziehen die Insolvenzen wieder an." Nachsatz: "Ich gehe davon aus, dass die Insolvenzen bundesweit steigen werden."

Konjunkturabschwung

Die Wirtschaftskrise und die Insolvenzwelle haben demnach zu einer starken Bereinigung geführt. Manchen Firmen ging es vorübergehend besser, als die Konjunktur es vermuten ließ. "Jetzt holt uns die Realität wieder ein, die Lage beginnt sich wieder zu normalisieren", sagt Zotter. "Wie sehr die Insolvenzen ansteigen, hängt davon an, wie sich der private Konsum entwickelt." Und: "Wenn bei den Lohnrunden nur die Teuerungsrate abgegolten wird, wird die Kauflaune der Konsumenten abflauen und das wird die Wirtschaft in ganz Österreich beeinflussen." Sogenannte Einmalzahlungen würden laut Zotter weder den Verbrauchern noch der Wirtschaft helfen.

Konsumorientierte Branchen spüren die Probleme schon. In den Branchen Holz-Möbel (plus 35,8 Prozent), Glas-Keramik (plus 36,3 Prozent) und vor allem im Bereich Uhren-Schmuck-Optik (plus 84,6 Prozent) haben die Insolvenzen deutlich zugenommen.

Dazu kommt, dass der Markt für Österreichs Exporteure schwieriger werde, da wichtige Handelspartner, wie Italien, Probleme mit Haushalt beziehungsweise Verschuldung haben. "Wenn die den Haushalt sanieren müssen, werden sie weniger importieren und für die österreichische Exportwirtschaft wird weniger zu liefern sein", sagt der Linzer Wirtschaftsexperte. "Wir haben möglicherweise innerhalb der EU einen Konjunkturabschwung vor uns. Das wird sich sicher auch auf die Investitionen auswirken."