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Mehr geht nicht - macht auch nichts

Von Christina Böck

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"Ich esse nicht dem Anus von niemandem!" So konsequent das auch klang, und so wenig die Frau, die das sagte, sich über die Logik einer doppelten Verneinung in der deutschen Sprache bewusst war - dieser Satz besiegelte den Sieg von Brigitte Nielsen in der Show "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!". Obwohl - natürlich nicht. Denn dass die Frau, die die meisten als Ex-Frau von Sylvester Stallone kennen, im Dschungelcamp die Publikumswahl gewinnen würde, das war von Anfang an klar. Denn das Schlüsselwort ist: "kennen". Als Geschiedene von irgendsoeinem Hollywoodstar bekannt zu sein, das ist schon sehr viel mehr, als die meisten anderen, vor allem in solchen Reality-TV-Formaten zu bieten haben. Deshalb haben auch immer alle äußerst ehrfürchtig von Brigitte Nielsen als "dem einzigen echten Star" gesprochen.

Und das ist Brigitte Nielsen auch. Aber keineswegs in dem glamourösen Sinn, wie ihn sich manche beim Gedanken an eine platinblonde, kurvenreiche Dame erwarten. Sie ist Lichtgestalt eines der wenigen Genres, die das Fernsehen in den letzten Jahren originär hervorgebracht hat. Die Nielsen hat sich durch so ziemlich alle Realityshows, die Privatfernsehmachern so einfallen, gearbeitet: von der öffentlichen Reha bis zur öffentlichen Schönheits-OP. Sie war sogar in der Mutter aller "Privatsphäre?-Wer-braucht-das!"-Formate: im Big Brother-Haus. Man würde sich wünschen, dass mehr Menschen mit Würde erkennen, dass sie nun einmal nur dafür Talent haben - und sonst halt nichts. Selten hat der Spruch "Jede Zeit hat die Stars, die sie verdient hat" ambivalenter geklungen.