Zum Hauptinhalt springen

Mehr Geld für neue Tagesmütter

Von Petra Tempfer

Politik
Die meisten Tagesmütter haben eigene Kinder, die sie gemeinsam mit den fremden betreuen.

Mitterlehner will Förderschwerpunkt für den Ausbau der Betreuungsplätze von Tageseltern. | Im Vorjahr flossen 100.000 Euro in die Förderung. | Gütesiegel sieht insgesamt 300 Unterrichtseinheiten in den Ländern vor.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Gratis-Kindergarten in Wien, erst Zweieinhalbjährige in den Kindergärten Niederösterreichs und steuerlich absetzbare Betreuungskosten: Im Bereich der Kinderbetreuung ist in den Vorjahren viel passiert. Nun soll auch die Tagesmütter-Ausbildung einem Relaunch unterzogen werden, wie Familienminister Reinhold Mitterlehner ankündigte. Er will ein Gütesiegel für die Ausbildungslehrgänge von Tageseltern einführen - und dafür auch mehr Geld in die Förderungen fließen lassen, wie er am Montag betonte.

Konkret soll die Förderung für die Ausbildungsstätten pro Kursteilnehmer von 750 auf 1000 Euro aufgestockt werden - im Vorjahr investierte das Familienministerium rund 100.000 Euro. Außerdem will Mitterlehner in der 15a-Vereinbarung zur Kinderbetreuung, die derzeit mit den Ländern verhandelt wird, einen "Förderschwerpunkt für den Ausbau der Betreuungsplätze von Tageseltern" verankern.

Insgesamt gibt es in Österreich laut Statistik Austria rund 3300 aktive Tageseltern, die etwa 13.600 Kinder betreuen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist diese Zahl konstant - auffällig ist, dass der Bedarf an Tagesmüttern bei der Betreuung der Null- bis Zweijährigen am größten ist.

Dennoch wurde in dieser Altersklasse die EU-Zielvorgabe (Barcelona-Ziele) klar verfehlt: Sie sah für 2010 einen Versorgungsgrad mit Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige von mindestens 33 Prozent vor. Tatsächlich werden allerdings nur rund 17 Prozent der Null- bis Zweijährigen betreut. Bei den Drei- bis Fünfjährigen wurde das Ziel hingegen erreicht. Etwa 91 Prozent haben einen Betreuungsplatz - die EU-Zielvorgabe für Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter lag bei mindestens 90 Prozent.

Gütesiegel ist freiwillig

Die Erhöhung der Förderung sowie das Gütesiegel für die Tagesmütter-Ausbildung sollen nun helfen, das Betreuungsangebot auch für die ganz Kleinen zu verbessern. "Weil Kinderbetreuung grundsätzlich in die Zuständigkeit der Bundesländer fällt, können wir allerdings nur Anreize setzen und keine neuen Verpflichtungen schaffen", räumt das Familienministerium ein.

Das neue Curriculum sei daher lediglich ein freiwilliges Angebot zur Umsetzung. Es wurde laut Ministerium von Experten entwickelt und sieht 300 Unterrichtseinheiten vor, wovon 220 den theoretischen Teil umfassen und der Rest den praktischen. Mit dem Curriculum werden die Lernziele, Aufnahmevoraussetzungen und Abschlusskriterien definiert.

Das Ziel von 300 Unterrichtseinheiten ist hoch gesteckt. Variiert doch die Dauer der Ausbildung derzeit stark. Am kürzesten braucht man dafür in Wien, wo 60 Unterrichtseinheiten vorgesehen sind. Am intensivsten wird man in Kärnten geschult: 320 Einheiten sind hier Pflicht, um sich Tagesmutter nennen zu dürfen. In der Steiermark sind es 300, in Niederösterreich 160.

Eine Ausbildung mit 160 Einheiten kostet rund 1000 Euro. Allerdings muss die werdende Tagesmutter die Kosten selten alleine tragen. Sie erhält zumeist eine Förderung vom Land, die jedoch stark variiert. In Wien und Niederösterreich ist eine Totalübernahme der Kosten möglich.

Wie viele Kinder eine ausgelernte Tagesmutter schließlich betreuen darf, ist ebenfalls unterschiedlich geregelt. Durchschnittlich ist bei Kindern vor Schuleintritt eine vierköpfige Gruppe (inklusive der eigenen Kinder) erlaubt, bei Schulkindern dürfen es insgesamt sieben sein. Warum der Begriff Tagesmutter und nicht Tagesvater geläufig ist, ist schnell erklärt: Fast ausschließlich Frauen gehen dieser Beschäftigung nach. In Niederösterreich etwa kommen auf 600 Tagesmütter nur zwei Väter.

Sozialpartner-Projekt

Dass deren Ausbildung nun mit Gütesiegel möglich ist, stößt auf positive Kritik. Die Landesparteiobfrau und Familiensprecherin der ÖVP-Wien, Christine Marek, ortete einen längst fälligen Handlungsbedarf, "weil die Qualität der Ausbildung der Betreuungspersonen umso wichtiger ist, je kleiner die Kinder sind." Auch SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm hält es für wichtig, "die in den Ländern sehr unterschiedlichen Ausbildungsangebote auf ein einheitliches, hohes Niveau zu bringen".

In Hinblick auf die Beschäftigungsform blüht den Tageseltern ebenfalls eine Vereinfachung. Hat doch das Sozialministerium unter anderem mit der Wirtschaftskammer Wien und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund vor kurzem das Projekt "Focus 1" ins Leben gerufen, das auf die Bedürfnisse neuer Beschäftigungsformen wie freie Dienstnehmer oder Neue Selbstständige eingeht. Ihnen soll durch Beratungen durch Experten und Weiterbildungsseminare geholfen werden.