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Mehr gemein als nützig

Von Werner Grotte

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Das Rezept ist einfach: Man nehme einen Bereich, für den Menschen gerne spenden, gründe einen "gemeinnützigen Verein", setze sich oder Freunde als Geschäftsführer und Vorstände ein und lebe fortan von den Einnahmen wie ein Kaiser - quasi unkontrollierbar. Eine zynische Sozialparodie? Nein, traurige Realität im Dschungel deutscher Hilfsvereine, wie der MRD-Report "Exakt" am Dienstag dokumentierte. Besonders krass der Fall des Berliner Vereines "Die Teller Gottes", dessen Gründer und Chef Michael M. selbst Hartz-IV-Empfänger ist. Der Verein vermietet abgewohnte Zimmer an Obdachlose und kassiert vom Arbeitsamt den Höchstsatz von 360 Euro pro Monat dafür. In den vier Sozialmärkten wird gespendete Ware um Geld verkauft - an x-beliebige Kunden und ohne Buchhaltung. M. hat sogar eine Erbschaft von 100.000 Euro in den Verein eingebracht - um Erbschaftssteuer zu sparen. Hartz IV kassiert er weiter.


Aufgrund der "Gemeinnützigkeit" zahlen solche Vereine keine Steuern, Mitarbeiter werken für Taschengeld, Einblick in die Finanzen steht nur Mitgliedern zu, Ämtern oder Spendern nicht. Gegen "Die Teller Gottes" ermittelt zwar bereits ebenso der Staatsanwalt wie gegen eine Berliner Obdachlosenhilfe, deren Chef Maserati fährt, oder die Leipziger "Deutsche Tafel", die kritische Mitglieder bei Fragen nach dem Verbleib der Gelder ausschließt. Doch die Ermittlungen gestalten sich aufgrund legistischer Freiräume äußerst kompliziert. "Wer eine Bank überfällt, ist dumm. Mit krimineller Energie lässt sich in einem Verein gefahrlos viel größere Beute machen", fasste es ein Sozialexperte zusammen. Das österreichische Vereinsrecht ist übrigens ähnlich konstruiert.