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Mehr junge Drop-Outs - mehr ältere Arbeitslose

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

IHS: Gegensteuern ohne Erhöhung der Staatsausgaben. | 7500 junge Abbrecher pro Jahr. | Wien. Vorbeugen ist besser als Heilen: Das gilt laut IHS auch bei der Senkung der Jugendarbeitslosigkeit. 7500 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahre würden jährlich die Schule abbrechen oder aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, heißt es in einer Erhebung des Instituts für Höhere Studien (IHS). Dem müsse stärker gegengesteuert werden, sollen Drop-Outs von heute nicht Sozialhilfeempfänger von morgen werden. "Jugendarbeitslosigkeit bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben auch arbeitslos zu sein, viel höher ist", sagte IHS-Experte Mario Steiner am Montag vor Journalisten. Im vergangenen Jahr war die Jugendarbeitslosenquote mit 10,3 Prozent doppelt so hoch wie die Gesamtarbeitslosenquote von 5,1 Prozent.


"Präventive Maßnahmen sind immer billiger als kurative", sagte Steiner. Das IHS schlägt mehr "individuelle Förderungen" vor - etwa spezielle Coaches in der Schule. Unter "heilend" fällt beispielsweise das Nachholen des Hauptschulabschlusses. IHS-Chef Bernhard Felderer: "Unsere Vorschläge sind kein Plädoyer dafür, dass die Staatsausgaben steigen sollen. Wir glauben, dass es im Bildungssystem und beim Arbeitsmarktservice stille Reserven gibt."

Studenten statt Lehrer

"Stützlehrer und Ersatzlehrer kosten sehr viel Geld. Es muss andere Möglichkeiten geben, die Drop-out-Rate zu senken", meint Felderer. Studenten, die Jüngere unterstützen, könnten die Studiengebühren erlassen werden. Ein ähnliches Modell gebe es in Israel. "Der Student liefert einen Bericht über die Probleme ab: Muss mit dem Jugendlichen Mathematik gelernt werden, oder gibt es ein Integrationsproblem?", sagt Felderer. Denn der soziale Hintergrund spiele bei Schulabbrechern eine große Rolle.

Das Drop-out-Risiko von Migranten ist laut IHS-Studie in Österreich vier Mal so hoch wie jenes von Österreichern, das Risiko von Jugendlichen der zweiten und dritten Generation doppelt so hoch wie jenes von Jugendlichen mit deutscher Muttersprache. Gefährdet seien auch jene Jugendlichen, deren Eltern selbst die Schule abgebrochen hätten.

Ein verpflichtendes Kindergartenjahr hält Felderer für sinnvoll. Ob eine Gesamtschule Einfluss auf die Drop-out-Rate hätte, sei nicht untersucht worden. Nach Ansicht des IHS sollte sich jedenfalls das Arbeitsmarktservice stärker auf Jugendliche ausrichten. "Mit dreiwöchigen Bewerbungskursen ist hier nicht viel zu machen", meint Steiner. Es gehe auch darum, Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben gut zu erlernen.

"Ausreichende Kurse"

Es gebe eine Reihe von langfristigen Kursangeboten, kontert das Arbeitsmarktservice (AMS). Angebote wie Budget seien ausreichend: Drop-outs hätten die Möglichkeit, den Pflichtschulabschluss nachzuholen, sagt AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Von jenen, die diesen bereits haben und weitere Ausbildungskurse absolvieren, würden 70 Prozent innerhalb von sechs Monaten einen Arbeitsplatz finden. "Heuer bekamen wir 200 Mio. Euro zusätzlich, das Angebot für Jugendliche ist gestiegen", sagt Sprenger. Das AMS habe für sämtliche Programme 835 Mio. Euro zur Verfügung. "Diese Mittel würden wir uns auch für das kommende Jahr wünschen."

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