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Mehr Lehrstellen als Suchende

Von Martina Madner

Politik

Weniger Arbeitslose, mehr Lehrstellen - nicht aber im Osten, bei Mechanikern und im Büro.


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Wien. Am Lehrstellen-Markt sieht es aktuell so gut wie schon lange nicht aus, stellt Johannes Kopf als einer der beiden Vorstände des Arbeitsmarkt Service (AMS) fest: "Heuer können wir erstmals seit vielen Jahren wieder österreichweit mehr offenen Lehrstellen anbieten, als gesucht werden."

Österreichweit kommen Ende September auf 10.144 offene Lehrstellen 8526, die auf der Suche nach einer sind. Es ist eine frohe Botschaft für die Jugend, weniger für Betriebe. "Wenn man Personal abbaut, fahren selbst Betriebe mit Fachkräftemangel ihre Lehrlingsausbildung zurück. Unsichere Zeiten erkennt man auch an der Zurückhaltung in der Lehrausbildung." Die Zeiten erscheinen nun sicherer, der Fachkräftemangel aber wird eklatanter: "Der zweite Grund ist, dass demografisch bedingt weniger Jugendliche zur Verfügung stehen", sagt Kopf.

Nach nationaler Definition waren heuer 59.111 der 15- bis -24-Jährigen arbeitslos oder in einer Schulung; um 9,1 Prozent weniger als im September 2017. Zum Vergleich: Quer über alle Altersgruppen hinweg sind es heuer mit 344.921 um acht Prozent weniger als vor einem Jahr.

Früher Lehrstelle suchen

Es ist allerdings keine frohe Botschaft, die allen Jugendlichen gleichermaßen zugute kommt: Der Jahresdurchschnitt 2017 zeigt zwar, dass auf jede Lehrstelle generell 1,3 Jugendliche kommen, die eine suchen. In Tirol aber sind es 0,4 Jugendliche, in Salzburg 0,5 und in Oberösterreich 0,6 pro Lehrstelle, also um die Hälfte zu wenige. In Wien dagegen matchen sich durchschnittlich 5,6 Lehrstellensuchende um eine offene Stelle, in Niederösterreich sind es genau und im Burgenland mit 1,9 knapp zwei, die sich um eine Lehrstelle zu streiten haben.

Aber nicht nur das, es kommt auch auf den Wunschberuf an: Während in der Kfz-Technik mit 5,6 im Durchschnitt deutlich mehr Jugendliche auf eine Lehrstelle kommen, können angehende Restaurantfachleute, wo nur 0,2 pro Stelle suchen, theoretisch eine aus fünf Lehrstellen wählen.

Theoretisch, weil es hierbei nur um die beim AMS gemeldete Lehrstellen und suchenden Jugendliche geht, nicht aber jene, die sich ohne dessen Hilfe finden. Auch hilft dem künftigen Touristiker in Wien die offene Stelle in Tirol kaum. Klar ist aber, dass eine "frühe Suche Sinn macht", sagt Kopf. Im Jänner werden doppelt so viele offene Lehrstellen gemeldet als im September. "Man sollte also schon im Jänner und nicht erst im Sommer nach Schulschluss mit der Suche beginnen."

Geringe Jugendarbeitslosigkeit

Der Vergleich mit anderen EU-Ländern zeigt übrigens, dass Österreich mit 4,8 Prozent Arbeitslosenquote (nach Eurostat-Definition) im Vergleich zu 6,8 im Durchschnitt aller 28 EU-Ländern zwar zu den Top-Ten gehört. Bei jener der Jugendlichen gehört Österreich mit 8,4 im Vergleich zu 14,8 Prozent im EU-28-Durchschnitt aktuell zu den Top-Five.

Das hat laut Kopf drei Gründe, alle drei hängen mit der "Lehrlingsausbildung, die in Österreich besonders erfolgreich ist", zusammen. In Betrieben werden technologische Neuerungen rascher nachvollzogen als in Schulen, wo zum Beispiel Lehrplanänderungen und das Anschaffen neuer Maschinen dauert - das macht Lehrlinge für Betriebe attraktiver als jene, die eine Schule absolviert haben. Die Hälfte aller Lehrlinge werde außerdem nach der Ausbildung als Fachkraft übernommen, "muss sich also gar nicht erst auf Jobsuche machen".

Lehrlinge zählen außerdem zu den Beschäftigten, was die Anzahl an Arbeitenden in der Altersgruppe erhöht - Schüler dagegen nicht. Viele Lehrlinge vergrößern also die Vergleichsgruppe und senken den Prozentsatz an Arbeitslosen.