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Mehr Lehrstellen durch flexiblere Verträge?

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Die Situation am heimischen Lehrstellenmarkt ist nicht gerade rosig. Ende Februar standen 4.396 sofort verfügbare Lehrstellensuchende - das waren um 4,8% mehr als im Vorjahr - 2.342 sofort verfügbaren offenen Lehrstellen (minus 16,3%) gegenüber. Die Quasi-"Pragmatisierung" von Lehrlingen nach der Probezeit bremst bei vielen Betrieben die Bereitschaft, Jugendliche zu Fachkräften auszubilden, sagte der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Wolfgang Damianisch gestern.


Maßnahmen in Richtung leichterer Lösbarkeit von Lehrverträgen sollten gesetzt werden. "Es geht nicht darum, das Lehrverhältnis unbegründet zu lösen", betonte Damianisch gestern vor Journalisten. Vielmehr stellten sich ab und zu Lehrlinge als ungeeignet für den ursprünglich ausgewählten Beruf heraus. In solchen Fällen sollte ein Unternehmen flexibler reagieren, sprich: den Lehrling leichter loswerden können. Auch eine Verlängerung der Probezeit werde andiskutiert.

"Das ist eine uralte Forderung", sagt Edith Kugi von der Abteilung Lehrlings- und Jugendschutz in der Arbeiterkammer Wien. Die Probezeit wurde im Jahr 2000 von zwei auf drei Monate hinaufgesetzt, seitdem habe es eine steigende Zahl von Vertragsauflösungen innerhalb dieser Frist gegeben. Abgesehen davon stimme es nicht, dass Lehrverträge unauflösbar seien. Es gebe eine Reihe von Gründen, aus denen der Lehrherr das Lehrverhältnis auflösen könne, etwa wenn der Lehrling die Berufsschule schwänzt, den Arbeitsplatz ohne Erlaubnis verlässt oder das Betriebsgeheimnis verletzt. Viele Lehrverhältnisse würden aber auch einvernehmlich gelöst, betont sie.

Damianisch schlägt auch die Schaffung von überbetrieblichen Ausbildungsverbünden vor, die als Auffangnetz für abgebrochene Lehrverhältnisse dienen sollen. Konkret: Sollte ein Lehrling in einem Betrieb nicht entsprechen, könnte er zu einem anderen vermittelt werden. Die Zahl der Lehrstellen in der Industrie ist im vergangenen Jahr um 2% auf 15.000 gestiegen - "und das in einer für die Industrie nicht gerade rosigen Zeit", so Damianisch.

900 neue Lehrstellen bei Spar Österreich

Jeder zweite Lehrling im österreichischen Lebensmittelhandel wird von Spar ausgebildet. Im Jubiläumsjahr 2004 bietet Spar rund 900 Jugendlichen eine Lehrstelle. 2003 hatte das Unternehmen 2.700 Lehrlinge.