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Mehr Mut zum Fernsehen

Von Bernhard Baumgartner

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Das Fernsehen hat sich durch die Digitalisierung nicht nur vervielfältigt, es hat sich auch verändert. Mit den neuen technischen Möglichkeiten auf Seite der Konsumenten wie vermehrter Auswahl oder digitaler Aufnahme kommen die Sender aber kaum zurecht. Bisweilen entsteht sogar der Eindruck, dass die Sender der Technologie skeptisch gegenüberstehen. Etwa wenn die Menschen ihre liebste TV-Serie nur noch automatisch auf dem Festplatten-Recorder aufnehmen - anstatt sie pflichtschuldig live anzusehen (wo sie dann zur "Quote" zählen und davon auszugehen ist, dass sie zumindest fallweise die Werbung mitansehen).

Die Antwort auf vermehrtes Angebot und bessere Technologie kann seitens der Sender aber nicht die sein, dass man den Technologien ablehnend gegenübersteht oder sie sogar zu behindern versucht. Das Programm muss besser, spannender, fesselnder und vor allem eventorientierter sein. Was das heißt? Nun: Niemand sieht sich ein Fußballspiel auf Video an: Das ist öde. Ein Klick ins Netz und man wüsste das Ergebnis. Sobald Fernsehen mehr Events aus sich heraus macht, zieht es die Zuschauer wieder aus ihren digitalen Lebenswelten hin zu dem Produkt, mit dem man auch die Umsätze macht: dem klassischen Fernsehen an sich. Im US-Fernsehen - dem Land, in dem die Zuseher dank dem verbreiteten Digitalaufzeichnungsgerät "tivo" die totale Macht haben - ist man da schon weiter. Hier werden simple Serienstarts, die man bei uns nicht einmal besonders bewirbt, bereits Wochen zuvor zum Ereignis gemacht. Es wird Zeit, dass sich Fernsehen wieder mehr zutraut. Dann klappt’s auch wieder mit dem Seher.