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Mehr Mut zur Qualität

Von Bernhard Baumgartner

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Man kann sich die staunenden Gesichter der Programm-Gurus auf dem Küniglberg durchaus vorstellen. Schon zum zweiten Mal diese Woche erreichte der ORF mit einem anspruchsvollen Programm im Hauptabend Spitzenwerte. Werner Bootes "Plastic Planet" fuhr 26 Prozent Marktanteil in der jungen Zielgruppe ein. Auch Michael Hanekes Drama "Das weiße Band" konnte einen Spitzenwert von 29 Prozent erreichen - fast eine viertel Million Zuschauer wollten den Schwarz-Weiß-Film sehen.

Das sollte als Ermutigung reichen, auch in Zukunft öfter einmal das zu tun, was gut und richtig ist und letztlich auch der Intention des ORF-Gesetzes entspricht. Genau für Programm wie dieses hat der ORF schließlich sein Gebührenprivileg.

Aber das Schielen auf die Quote ist keine Krankheit, die nicht nur das Fernsehen betrifft. Immer wieder glauben etwa Theater, mit bekannten Gesichtern aus dem Fernsehen auf der Bühne könne man die unwilligen Massen in die Plüschsessel locken. Dass die Stars zwar oftmals keine ausgebildeten Schauspieler sind und in dem Metier als blutige Anfänger mit großen Rollen verloren wirken, weiß man dann ja erst nachher. Dass die Rechnung nicht immer aufgeht, ist offenbar auch kein Argument: Es hätte ja ohne Star noch schlechter laufen können. Auch in der Programmierung greifen viele Intendanten gerne lieber in den Mainstream-Trog als mehr zu riskieren und dafür einen Überraschuntgs-Coup zu landen. Das macht die Kulturlandschaft öde, gleichförmig und vorhersehbar. "More of the same" sollte gerade für subventionierte Betriebe ein Tabu sein.