Zum Hauptinhalt springen

Mehr Personal? Weniger Häftlinge!

Von Simon Rosner

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Justizwache fühlt sich überlastet und fordert mehr Personal. Bis zu 350 neue Stellen wollen zumindest ihre Vertreter. Nach einem Gespräch mit Justizminister Brandstetter gaben sie sich mit 100 zufrieden. Vorerst jedenfalls, sollte die Zahl der Insassen nicht steigen. Doch genau das ist zu erwarten, schon allein, weil eine neue Justizanstalt gebaut werden soll und es als ehernes Gesetz gilt, dass Gefängnisse auch gefüllt werden. Wer glaubt, dass der Belag in den Haftanstalten in einem unabänderlichen Zusammenhang mit der Kriminalität steht, kennt die österreichische Realität nicht.

Die Zahl der Verurteilungen hat sich seit 1995 nahezu halbiert, dennoch stieg im gleichen Zeitraum die Anzahl der Häftlinge um beinahe 50 Prozent. Das überlastet Anstalten wie Personal und verhindert zudem eine angemessene Betreuung der Inhaftierten, vor allem von jenen, die besonderer Therapie bedürfen.

Dass es auch anders gehen könnte, zeigte die öffentliche Debatte über inhaftierte Jugendliche, als im Vorjahr die Vergewaltigung eines Teenagers in der U-Haft bekannt geworden war. Ohne gesetzliche Änderungen, ohne irgendwelche Maßnahmen wurde auf einmal ein Rückgang jugendlicher Inhaftierte um 30 Prozent verzeichnet. Es geht also.

Nicht alle Straftäter oder - bei der U-Haft - mögliche Straftäter stellen eine Bedrohung für die Sicherheit der Gesellschaft dar. Nicht selten verhält es sich vielmehr umgekehrt, da nämlich auch kurze Haftstrafen großen Schaden anrichten können; etwa wenn junge Menschen, denen das Leben ein wenig entglitten ist, durch einen Gefängnisaufenthalt komplett abrutschen. Das ist gesellschaftlich besonders problematisch. Mehr Personal angesichts übervoller Gefängnisse zu fordern, ist aus Sicht der Justizwache logisch. Aber Politik und Justiz müssen dringend darüber nachdenken, warum eines der sichersten Länder Europas eine der höchsten Haftraten hat.