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Mehr reden, nicht allein lassen

Von Christoph Rella

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Dusan Pasek Junior ist tot. Der Geschäftsführer der Bratislava Capitals wurde am Freitag in einem Stadtteil der slowakischen Hauptstadt leblos aufgefunden. Wie die Polizei mitteilte, dürfte der 36-jährige Ex-Eishockeyprofi Suizid begangen haben. Zwei Tage zuvor war der slowakische Capitals-Spieler Boris Sadecky während einer Partie gegen die Dornbirn Bulldogs auf dem Eis zusammengebrochen und wenig später verstorben. "Unser ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Verstorbenen", teilte die ICE-Eishockey-Liga in einem ersten Statement mit.

Ob die beiden Todesfälle in einem Zusammenhang stehen, konnte am Freitag noch niemand sagen. Denkbar wäre es. Andererseits aber auch wieder nicht - wenn man die tragische Geschichte der Familie Pasek ins Kalkül zieht. Schon Vater Dusan Pasek senior, Eishockeyspieler und Präsident des slowakischen Verbandes, hat sich 1998 das Leben genommen. Weil sich das Nationalteam nicht für die Winterspiele in Nagano qualifiziert hatte, wie es offiziell hieß. Tatsächlich dürften aber, wie es unter vorgehaltener Hand hieß, Paseks Spielsucht, Schulden und Depressionen der Grund für den Suizid gewesen sein.

Das bedeutet freilich nicht, dass Pasek junior ein Gambler war. Diese Tragödie zeigt vielmehr, wie schwer es ist, in einen anderen Menschen hineinzuschauen und dessen Abgründe zu ermessen. Im Sport und hier speziell in den meist von Männern dominierten Führungskadern ist das vielleicht noch schwieriger als sonst. Was hier zählt - bei unseren östlichen Nachbarn wohl noch mehr -, ist oft einzig der Erfolg, für private Sorgen und Probleme interessiert sich kaum jemand. Es wäre an der Zeit, das zu ändern. Und sei es nur, dass man darüber redet.