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Mehr Transparenz für Airbnb & Co

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
That’s how it started: Aus der Vermittlung einfacher Schlafplätze bei netten Leuten wurde ein großes Business.
© stock.adobe.com / Alexander

Online-Plattformen, die in der EU private Unterkünfte vermieten, sollen mehr Daten herausrücken.


Am Anfang war die Luftmatratze: "Airbed and Breakfast" (später verkürzt zu Airbnb) vermittelte 2008 das gleichnamige US-Start-up über seine Online-Plattform an junge, reiselustige Leute mit schmaler Geldbörse. Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in einer privaten Wohnung zu finden, sollte so einfach sein, wie ein Hotelzimmer zu buchen. Daraus wurde ein ziemliches Big Business, nicht nur für das Unternehmen Airbnb, das Gebühren von den Vermietern einhebt, die sich auf der Plattform präsentieren. Auch für Gastgeber kann es lukrativ sein, ihren Wohnraum mit anderen zu teilen, wenn auch oft im Graubereich zwischen privater und gewerblicher Vermietung.

Wohnung, Blockhütte oder Schloss

Mit Sharing Economy hat Airbnb mittlerweile kaum mehr etwas zu tun. Längst werden nicht mehr nur einzelne Zimmer, sondern auch Wohnungen, Häuser und diverse andere, teils ausgefallene Unterkünfte über die Plattform vermietet. "Ganz gleich, ob du eine Blockhütte, eine Wohnung oder ein Schloss suchst", heißt es etwa auf der Österreich-Homepage des Schlafplatzvermittlers.

In der EU entfällt nach Angaben der Europäischen Kommission etwa ein Viertel aller Touristenunterkünfte auf Kurzzeitvermietungen. Mit dem Boom von Airbnb, Wimdu & Co tat sich auch eine Reihe von Problemfeldern auf. Zu viele und lärmende Touristen sowie das ständige Kommen und Gehen in Airbnb-Wohnungen stören mitunter den Hausfrieden. Wohnungen, die dauerhaft an Touristen vermietet werden, verschärfen die Wohnungsnot in den Städten, lautet eine weitere Kritik. Zudem ist Airbnb sehr zurückhaltend, was die Herausgabe von Daten der Vermieter betrifft - Daten, an denen Stadtverwaltungen, Steuer- und Gewerbebehörden großes Interesse haben.

Im EU-Parlament starteten im März Verhandlungen über einen von der Europäischen Kommission eingebrachten Gesetzesvorschlag über den Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen über Online-Plattformen. Ziel ist es, die unterschiedlichen nationalen und regionalen Regeln zusammenzuführen. Städte und Gemeinden sollen sich besser auf Touristenströme vorbereiten können, indem mitgeteilt werden soll, wie viele Gäste wie lange bleiben. Und natürlich ist es auch ein Kampf gegen illegale Vermietungen.

Transparenz ruiniert jedenfalls das Geschäft von Airbnb, wie sich besonders eindrucksvoll am Beispiel Amsterdams zeigte. Nach Einführung einer Registrierungspflicht für private Zimmervermieter im Oktober 2021 sank die Zahl der Airbnb-Unterkünfte schlagartig von 16.200 auf 2.900.

Zweckmissbrauch von Gemeindewohnungen abgestellt

In Wien gab es ein ganz anderes Problem. Dort tauchten immer wieder Airbnb-Inserate für die Vermietung von Gemeindebauwohnungen auf, deren Untervermietung illegal ist. Im Juli 2020 klagte Wiener Wohnen die Plattform und hatte Erfolg. Airbnb muss sicherstellen, dass keine Vermietungsanzeigen für Wiener Gemeindewohnungen - derzeit gibt es rund 220.000 - auf ihre Plattform gestellt werden. Airbnb meldete, wie vom Gericht aufgetragen, die Umsätze, die mit Inseraten aus vergangenen Vermietungen von Gemeindewohnungen erzielt worden waren. In elf Jahren waren immerhin 137.000 Dollar (aktuell rund 125.000 Euro) zusammengekommen. Man wolle den Betrag für einen guten Zweck in Wien spenden, hieß es. Aus dem Büro von Wiens Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál heißt es, die Vermietung von Gemeindewohnungen sei ein Randphänomen, man wolle diese Praxis aber nicht einreißen lassen.

Dem Gesetzesentwurf der Europäichen Kommission war im Juli 2022 ein offener Brief der "European cities alliance on STHR (short-term holiday-rentals)" vorausgegangen. Der Allianz gehören die 17 Städte Amsterdam, Arezzo, Barcelona, Berlin, Bologna, Brüssel, Florenz, Krakau, Lyon, München, Paris, Prag, Porto, Utrecht, Valencia, Wien und Warschau sowie die Vereinigung Eurocities (ein Netzwerk von mehr als 200 Städten in 38 Ländern), an. Die Städte bräuchten Hilfe bei der Durchsetzung von Vorschriften und der Verfolgung illegaler Kurzzeitvermieter, hieß es. Die ursprüngliche Peer-to-Peer-Vermietung sei zu einer Randerscheinung geworden, weil Unternehmen mit einem umfangreichen Portfolio an Unterkünften die Mehrheit der Angebote besitzen.

"Mehr Gleichheit im Wettbewerb"

"Der Tourismus ist eine wichtige Einkommens- und Beschäftigungsquelle. Es ist jedoch wichtig, für nachhaltigen Wohnraum zu sorgen und die Lebensqualität der Innenstädte zu erhalten", sagte Federica Bordelot, eine leitende politische Beraterin bei Eurocities. Österreichs Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) erwartet sich von der neuen Richtlinie "mehr Gleichheit im Wettbewerb zwischen den großen Plattformen und den kleinen vielen Privatzimmervermietern, die es in Österreich gibt".

Viele Städte haben es mittlerweile so wie Amsterdam selbst in die Hand genommen, das Wachstum bei Kurzzeitvermietungen einzudämmen. Gastgeberverbände kritisieren jedoch die bestehenden Vorschriften als zu streng, ungerechtfertigt, unverhältnismäßig und diskriminierend.