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Mehr Unterstützung beim Schulwechsel

Von Sabine M. Fischer

Gastkommentare
Sabine M. Fischer ist Inhaberin von Symfony Consulting, Wirtschaftspädagogin und Human-Resources-Unternehmensberaterin.

Erst durch Flüchtlinge zeigt sich ein wirkliches Kernproblem unseres Bildungssystems: die Abschiebepraxis in Schulen bis zum Auffanglager AMS.


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Wie in vielen Bereichen fällt auch in der Bildung ein Kernproblem durch Flüchtlinge richtig auf: Jugendliche Migranten ab 15 Jahren finden nach Beendigung der Schulpflicht im österreichischen Bildungssystem schwer Anschluss oder werden bei Schulversagen aus den Schulen abgeschoben. Am Ende dieser in Österreich auch für alle Staatsbürger gängigen Praxis stehen das "AMS als Reparaturanstalt des Bildungssystems" (Zitat AMS-Chef Johannes Kopf) und ein enormer individueller und gesellschaftlicher Potenzialverlust. Der Weg dorthin ist mit drei gefährlichen Widersprüchen gepflastert:

1. Das Mantra "Wir benötigen Fachkräfte" wird konterkariert durch eine immer geringer werdende Durchlässigkeit das Systems. Durch die unkoordinierte fachliche Spezialisierung der einzelnen Schulstandorte mittels Schulversuchen ist ein Wechseln von einem AHS-, HAK- oder HTL-Standort zum nächsten, etwa wegen eines Wohnortwechsels, nicht mehr möglich. Zugleich wurde aufgrund neuer Lehrpläne die Durchlässigkeit etwa zwischen Handelsakademie und Handelsschule so reduziert, dass eine 16-jährige, die mit den Anforderungen der höheren Ausbildungsstufe HAK überfordert ist, nicht mehr problemlos in die weniger anspruchsvolle HASCH wechseln kann. Sie kann nur zum Drop-out werden und zum AMS gehen.

2. Der Vorgabe der Schulbehörde "Wir senken die Drop-out-Quote" folgen keine Mittel für die Förderung von lernschwachen Schülern. Die Schulstandorte können daher nicht für alle, die es benötigen, zusätzliche betreute Lernmöglichkeiten anbieten. Jene, die es gar nicht schaffen, müssen die Schule verlassen und landen beim AMS.

3. Die Aussage "Wir wollen Jugendliche möglichst lange in der Ausbildung halten" schützt diese nicht davor, bei "Schulversagen" die Schule mit allen Bezugspersonen ohne weiteren Plan verlassen und selbst überlegen zu müssen, wohin sie sich nun wenden können. Wenn wir Glück haben, finden sie zum AMS - wenn nicht, finden sie gar keinen Anschluss mehr.

Hier dazu drei Lösungsbilder einer österreichischen Steuerzahlerin und Unternehmerin:

1. Der Wechsel von einer höheren in die niedrigere Bildungsform - und auch umgekehrt (!) - sollte grundsätzlich offen sein.

2. Das bisher im Rahmen des AMS ausgegebene Steuergeld für Trainings von Jugendlichen sollte in die Schulen für Fördermaßnahmen für Lernschwache fließen.

3. Jeder Schüler sollte die Schule entweder mit einem Schulabschluss oder mit einem sorgfältig mit einer frei gewählten Lehrkraft erarbeiteten und mit der neuen Schule akkordierten Ausbildungsplan verlassen.

Der politische Grundkonsens, den dieses Land dringend benötigt, ist Bildungs- statt Schulpflicht bis zu einem Abschluss, auf welcher Höhe auch immer - und die für die Schulen notwendigen Mittel. Jedenfalls muss Schluss sein mit Klein-klein-Lösungen, die wie ein Tropfen auf dem heißen Stein verdampfen, aber als wirksame Schulreform-Maßnahmen verkauft werden. Die Kernlösung liegt nämlich in der Wirksamkeit von Maßnahmen im Alltag von uns allen.