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Mehr zu verlieren als zu gewinnen

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Die echten Stars haben’s bei einer EM nicht leicht. | Selbst nach dem Kraken kräht kein Hahn mehr.


Man muss es auch ein bisschen alabaistisch sehen. Er sei "schon ein bisschen froh", dass jetzt Urlaub sei, sagte David Alaba nach dem 0:0 gegen Rumänien und sprach damit vielen aus der Seele. Nun kann man dem österreichischen Jungstar freilich nicht unterstellen, dass er nicht für eine Euro-Teilnahme liebend gern auf den Urlaub verzichtet hätte, aber insofern hat’s auch was Gutes, dass Österreich nicht dabei ist. Abgesehen davon, dass sich die Mannschaft, wenn sie auch jetzt auf einem guten Weg ist, ihre Nicht-Teilnahme hart erarbeitet und hoch verdient hat und die Deutschen das Fehlen eines wie Alaba in ihrem Team schmerzlich beklagen, was ja dem latent mit ihnen antipathierenden gelernten Österreicher wieder irgendwie Freude bereitet.

Die Saison war lang und hart, einige Spieler hatten vor der EM keinen einzigen Tag frei. Insofern ist auch die Frage, wer zum Star des Turniers wird, nicht zu beantworten. Vielleicht - auch wenn das vielen angesichts der Auszeichnungen, mit denen er schon überschüttet wurde, kaum denkbar erscheint - wäre es nicht einmal Alaba geworden. Viele chronisch überspielte Akteure werden bei der Euro nicht an ihre während des ganzen Jahres bei den Klubs gezeigten Leistungen anschließen können, was zu heftigen Debatten an den Stammtischen und wüsten Beschimpfungen im Boulevard führen wird. Als Star hat man’s nicht leicht und während einer Euro genau genommen viel mehr zu verlieren als zu gewinnen. Unfair? Ja, sicher. Aber so ist eben einmal das Geschäft. Fifa und Uefa werden einen Teufel tun und den Terminplan entschlacken, wenn es doch so viel zu verdienen gibt. Und irgendwie kann es ja auch einmal ganz nett sein, einen Cristiano Ronaldo vor Frust und einen völlig Unbekannten vor Freude weinen zu sehen. Von diesen Emotionen lebt der Fußball. Dass keiner der in den Himmel gehobenen Stars perfekt ist, ist ja auch eine Erkenntnis. Naja, außer Krake Paul vielleicht. Aber der war ja fast schon zu gut, außerdem war ihm bekanntlich eine äußerst kurze Karriere beschieden. Und selbst bei einem ikonisierten Orakel wie ihm zeigt sich die Brutalität des Fußball-Business: Sobald das nächste Viecherl mit wahrsagerischen Fähigkeiten daherkommt, wird kein Hahn mehr nach dem Kraken krähen. Irgendein Nachfolger wird sich schon finden lassen, Tiere sollen ja so was von feinfühlig sein. Mit ihnen können dann auch die Daheimgebliebenen mitfiebern. Als sentimentaler Favorit bietet sich ein ukrainischer Straßenwauzi an. Der hätte damit sogar etwas für die Sensibilisierung der Gesellschaft getan. Kann höchstens sein, dass der sich nicht für die Euro instrumentalisieren lässt. Und stattdessen tatsächlich lieber auf Urlaub geht. Verübeln könnte man es ihm ja nicht.