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Mehrheit für die Gesamtschule

Von Petra Tempfer

Politik
Lernen und gefördert werden - nur schlafen sollte man auch in der ganztägigen Gesamtschule nicht. bb
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Ernüchternder Wissensstand über die Modelle Gesamt- und Ganztagsschule.


Wien. Das Volksbegehren "Bildungsinitiative" im November 2011 wurde zwar nicht zum erfolgreichsten aller Zeiten. Dafür, dass die Forderungen nun im Nationalrat behandelt werden, reichten die 383.820 Unterschriften aber allemal. Eine davon: der Ausbau der Ganztagsschulen. Das am Montag präsentierte Ergebnis einer Befragung des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) brachte nun einen viel eindeutigeren Trend ans Licht. Befürworten doch 63 Prozent der 1064 befragten Österreicher ab 15 Jahren die Ganztagsschule als "Schule der Zukunft". 75 Prozent halten die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen für eine "gute Idee".

"Beim Bildungsvolksbegehren fühlte sich die Bevölkerung zu wenig informiert: Nur rund 20 Prozent gaben an, genug im Bilde gewesen zu sein, um eine Entscheidung treffen zu können", erklärte Peter Zellmann vom IFT. Ein Manko an Information - das dürfte laut Zellmann die Ursache sein, warum Österreicher einer Bildungsreform skeptisch gegenüberstehen: Laut Umfrage weiß nur ein Viertel, worum es sich bei einer Gesamt- oder Ganztagsschule überhaupt handelt.

Nach detaillierten Informationen sprachen sich laut Zellmann sogar 76 Prozent für eine Ganztagsschule und 82 Prozent für eine Gesamtschule aus. Die Umfrage enthielt den Hinweis, dass die Ganztagsschule nur als Verpflichtung für alle Pflichtschüler funktionieren könne. Die Gesamtschule wurde indes als ein "besser als bisher differenzierendes und von jeder parteipolitischen Einstellung unabhängiges" Schulsystem beschrieben, das schlechten Schülern hilft und begabte fördert.

Genau hier setzen jedoch die parteipolitischen Differenzen an. "Eine Fragestellung dieser Art ist extrem suggestiv", kritisiert ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon. Befürchtet doch die ÖVP, dass in einer Gesamtschule das Leistungsniveau gesenkt wird - während die SPÖ seit jeher deren Einführung fordert. Die ÖVP will die Kinder auch nicht zum ganztägigen Schulbesuch verpflichten.

Schmied fühlt sich bestätigt

In Wien sorgte dieses Thema zuletzt bei der Volksbefragung im Februar 2010 für Diskussionen, bei der sich 77 Prozent für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen aussprachen. Seitdem wird an der Umsetzung gearbeitet, wie es aus dem Büro des Bildungsstadtrates Christian Oxonitsch heißt. 29 Schulen würden bereits ganztägig geführt, rund 14 Schulen fehlten noch.

Durch das aktuelle Umfrageergebnis fühlt sich auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied bestätigt. "Nach der Neuen Mittelschule ist die gemeinsame Ganztagsschule der nächste Schritt", betont Sprecher Josef Galley im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". 80 Millionen Euro würden jährlich investiert, um das Angebot auszubauen. Der Besuch der gemeinsamen Ganztagsschule solle allerdings freiwillig bleiben - allein das flächendeckende Angebot müsse gewährleistet sein.

"Jedes Kind hat das Recht auf Bildung." So lautet auch eine der Forderungen der Plattform "Zukunft.Bildung", die ebenfalls am Montag ihre Gründung bekannt gab. Im Zuge des Bildungsvolksbegehrens, aber "nicht als Nachfolgeorganisation" initiiert, wollen Vertreter unter anderem der Industriellenvereinigung, Caritas sowie Kindergarten- und Hortpädagogen gemeinsam als überparteiliche, "mahnende Stimme" auftreten und "Österreich zum Bildungsweltmeister machen". "Unser Schwerpunkt ist die Elementarpädagogik", sagt Obmann Daniel Landau zur "Wiener Zeitung", "also die Angleichung der Kindergartenpädagogen-Gehälter ans AHS-Niveau." Damit unterfüttert er die Pläne Schmieds, die seit langem die Ausbildung aller Pädagogen auf universitärem Niveau vereinheitlichen möchte. Beim Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, stößt die neue Plattform allerdings auf Kritik. Die Forderungen seien zu wenig konkret. Und - die Plattform solle das IFT-Umfrage-Ergebnis als Auftrag sehen und sich auch zur gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen bekennen.