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Mehrheit für mehr Wettbewerb

Von Ina Weber

Politik

68 Prozent sehen Zwei-Klassen-Medizin vorherrschen. | Gesundheitsökonom: "Auf Präferenzen eingehen". | Wien. Der Großteil der Bevölkerung ist mit dem Status quo des Gesundheitssystems in Österreich zufrieden. Das ergab eine Umfrage, die im Auftrag der "Europäischen Wissenschaftstage Steyr" (EWTS) - eine Initiative des Wissenschaftsministeriums - und der Agentur Ecker & Partner unter 1000 Personen im Alter zwischen 14 und 59 Jahren durchgeführt wurde.


Über 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das System "sehr gut" beziehungsweise "eher gut" funktioniert. Gerade einmal 6,5 Prozent bewerten es negativ. "Die wirklich Kranken sind allerdings nicht mehr so zufrieden", berichtete Berghold Bayer, EWTS-Obmann am Donnerstag. 15,8 Prozent der Kranken fanden die Versorgung "eher weniger gut" und "überhaupt nicht gut".

"Privatpatienten werden bevorzugt behandelt"

Weiters sind 68 Prozent der Ansicht, dass es in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin gibt. Die Meinung herrscht vor, dass Kassenpatienten eine schlechtere Gesundheitsversorgung erhalten als Privatpatienten. Und mehr als 60 Prozent haben Zweifel, ob das Gesundheitswesen der Pflegeproblematik gewachsen ist. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) können sich nicht vorstellen, nahe Angehörige zu Hause zu pflegen, hingegen es für 53 Prozent der Österreicher denkbar ist, von nahen Angehörigen gepflegt zu werden. Als Grund, auf die Pflege Angehöriger zu verzichten, wurde an erster Stelle die Befürchtung geäußert, womöglich den Beruf aufgeben zu müssen.

70 Prozent fordern mehr Info und Transparenz

Wie sieht es mit der Akzeptanz der E-Card und Elga (Elektronische Gesundheitsakte) aus? Diese wurden überwiegend positiv aufgenommen. Knapp 85 Prozent gaben an, mit dem elektronischen Krankenschein positive Erfahrungen gemacht zu haben. Rund 73 Prozent können sich auch eine Elga vorstellen, allerdings möchte knapp die Hälfte der Befragten selbst bestimmen, wer ihre Patienteninformationen erhalten soll. 70 Prozent wollen besser darüber informiert werden, was sie konsumieren. Auch die Information über Alternativmedizin kommt für die Mehrheit der Befragten zu kurz.

Interessant sei, meinte Bayer, dass eine Mehrheit nach mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen verlangt. Als Grund wurde Kostenreduktion und Qualitätsverbesserung genannt. Auch sprachen sich 27,9 Prozent dafür aus, dass Versicherte die Möglichkeit haben sollten, auch in der gesetzlichen Krankenversicherung ihr Leistungspaket selbst zu gestalten.

Für einen freien Markt im Gesundheitssystem plädierte der Schweizer Gesundheitsökonom Peter Zweifel. "Das ganze Leben beinhaltet maßgeschneiderte Lösungen, warum nicht das Gesundheitssystem", sagte Zweifel. Die Präferenzen zwischen Jung und Alt würden variieren. "One size does not fit", führte er als Leitspruch an. Als positives Beispiel nannte Zweifel die Schweiz und die Niederlande, wo die Patienten ihre Versicherung samt Leistungen frei wählen könnten. Dass es dabei das Problem des Risikoausgleichs gebe, dass nämlich Patienten mit hohem Risiko nicht mehr versichert würden, ließ er nicht gelten. In der Schweiz gebe es gezielte Subventionierung aus Steuermittel: "Die, die kein Geld haben, kriegen es".