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Mein Präsident? Oder doch nicht?

Von Thomas Seifert

Politik
Welches politische Milieu präferiert welchen Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl? WZ-Illustration: Irma Tulek
© WZ-Illustration: Irma Tulek

Mit dem Politik-Kompass von Sora und der "Wiener Zeitung" feststellen, welchem politischen Milieu man zuzurechnen ist.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 1 Jahr in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Es sollte einen starken Führer geben, der sich nicht um Parlament und Wahlen kümmern muss." Stimmen Sie dieser Aussage zu? Oder lehnen Sie eine derartige Position kategorisch ab? Sollte die Meinungsfreiheit ausgebaut werden? Wie steht es um die Rechte der Opposition? Vergrößern? Verkleinern? Alles so belassen, wie es ist?

In einem von der "Wiener Zeitung" in Auftrag gegebenen und vom Politik- und Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut Sora entwickelten Online-Tool können die Userinnen und User sich vor Augen führen, wo sie politisch stehen. Dazu dienen einerseits die Fragen nach der Einstellung zur Demokratie, in der Befragung geht es aber auch um die wirtschaftliche Stellung, politische Beteiligung, Teilhabe am und Einstellung zum Sozialstaat. Aus dieser Fragenmatrix lässt sich ganz gut ablesen, wo im politischen Koordinatensystem sich die Befragten wiederfinden.

"Mit der Teilnahme am ‚Wiener Zeitung‘/Sora-Politik-Kompass erfährt man, in welchem Milieu Sozialwissenschafterinnen und Sozialwissenschafter die teilnehmenden Userinnen und User zuordnen würden", sagt Günther Ogris, Mitbegründer des Sozialfoschungsinstituts Sora. Aus den Ergebnissen des Demokratiemonitors - einer recht umfangreichen Umfrage mit mehr als 2.000 Befragten - konnte Sora vier politische Milieus herausdestillieren, mit denen man sich vergleichen kann.

Vier politische Milieus

Da gibt es etwa die Gruppe der "Optimistischen": Sie schätzen ihre Zukunftsaussichten recht gut ein. Sie haben das Gefühl einer guten Teilhabe in Politik und Gesellschaft. Ihre wirtschaftliche Position sehen sie als gut abgesichert, sie stehen dem Sozialstaat durchaus wohlwollend gegenüber.

Auch die "Individualistischen" stehen wirtschaftlich recht gut da, haben aber das Gefühl, dass sie ihren Wohlstand verteidigen müssen. Ihre Einstellung zum Sozialstaat ist kritischer als jene der Gruppe der "Optimistischen". "Jeder ist seines Glückes Schmied", könnte das Motto dieses Milieus lauten. Umverteilung und Sozialstaat sind für sie Reizworte. Traditionelle Hierarchien sollen nicht durch staatliche Eingriffe untergraben werden. Viele von ihnen vertreten einen autoritären Kurs und stehen Einschränkungen der Demokratie offen gegenüber.

Die "Enttäuschten" haben die Hoffnung aufgegeben, dass die Politik irgendetwas für sie erreichen kann oder will. Sie schätzen ihre wirtschaftliche Lage und ihre Möglichkeiten der politischen Artikulation als deutlich geringer ein als etwa die Angehörigen der Gruppe der "Optimistischen". Sie haben das Gefühl, von Politik und Gesellschaft im Stich gelassen und in verschiedenen Alltagsbereichen wie am Arbeitsmarkt oder bei der medizinischen Versorgung benachteiligt zu werden.

Die "Verärgerten" sind besorgt über ihre Zukunft und möchten ihrem Ärger über die Politik Ausdruck verleihen. Ihre soziale Stellung ähnelt jener der "Enttäuschten". Sie sind tendenziell etwas weniger gebildet, kommen mehr schlecht als recht mit ihrem Haushaltseinkommen aus, sie sind auch für die Zukunft schlechter finanziell abgesichert. Beide Milieus - "die Enttäuschten" und "die Verärgerten" - verbindet die große Unzufriedenheit mit der Politik.

Sora hat das Online-Umfrageinstrument für die Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober angepasst. Denn aus den Antworten können die Expertinnen und Experten Parteipräferenzen ableiten und aus diesen Parteipräferenzen und brandneuen Umfragedaten zu den Kandidaten zur Bundespräsidentschaftswahl lässt sich wiederum eine Kandidatenpräferenz für die Wahl am 9. Oktober errechnen.

Freilich schränkt Ogris ein: "Da diese Methode einige Unsicherheitsfaktoren beinhaltet, handelt es sich dabei um kein belastbares Prognoseinstrument, sondern um ein Simulationsmodell, dass zum Nachdenken anregen soll."

Für die Politikforschung ist die Prognose der Stimmenanteile der einzelnen Hofburg-Bewerber durchaus eine Herausforderung: "Der Amtsinhaber ist ein starker Kandidat, der sich in den derzeitigen Umfragen hoher Popularitätswerte erfreut. Es gibt aber eine ganze Reihe von Kandidaten, die die Proteststimmung und den Ärger der Bevölkerung mobilisieren wollen. Da ist es durchaus schwierig, zu prognostizieren, wer diese Proteststimmen am besten abfischen kann."

Anders als bei anderen "Wahlhelfern" erfährt man mit dem "Wiener Zeitung"/Sora-Tool nicht, wen man wählen soll, sondern man erfährt, wo man von der Politikforschung politisch verortet wird.

Welches politische Milieu präferiert welchen Kandidaten bei der Bundespräsidentenwahl?

Link zum SORA/"Wiener Zeitung"-Politik-Kompass :

www.wz.at/politikkompass2022