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"Mein Vater hätte gemeinsame Obsorge nicht gewollt"

Von Bettina Figl

Politik

Sie standen zwischen den Fronten: Trennungskinder über Obsorge und Geld.


Wien. "Jede Geschichte ist anders", sagt Laura Mayer (alle Namen von der Redaktion geändert). Die 27-Jährige spricht von Trennungen, die auch auf das Verhältnis zu den Kindern abfärben. Denn egal, wie individuell Trennungsbiografien sind: Kaum jemand schafft es, ohne Streit auseinanderzugehen. Und kann man sich auf die Obsorge einigen, liegt man sich spätestens beim Geld in den Haaren.

So war es auch bei Mayer, einem klassischen Trennungskind: Ihre Geburt war ungeplant, im zarten Alter von zwei Jahren zerbrach die Beziehung der Eltern endgültig. Von da an verbrachte sie jedes, später jedes zweite Wochenende mit ihrem Vater. "Mein Vater hätte die gemeinsame Obsorge gar nicht gewollt", sagt sie, und berichtet: So richtig kümmerte sich dieser erst um sie, als ihre Mutter einen neuen Freund hatte. "Neue Partner spielen natürlich eine große Rolle", sagt Mayer. Einen einzigen Urlaub verbrachte sie mit ihrem leiblichem Vater und seiner neuer Freundin - und dieser kam auch nur zustande, weil ihre Mutter der neuen Frau im Umgang mit ihrer Tochter vertraute.

Erst als Mayer mit 13 Jahren ein Handy bekam und ihren Vater selbst anrufen konnte, gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit ihm einfacher, berichtet sie, denn ihre Eltern konnten "nicht so gut miteinander". Heute pflegen diese gar keinen Kontakt mehr. Mayer erinnert sich an ein Gespräch mit einem Sachbearbeiter, der sie fragte, ob sie ihren Vater oft genug sehe. Diese "objektive Überprüfung von außen" befürwortet sie heute.

"Die Sache mit dem Geld hat alles zum Kochen gebracht"

Dafür, dass ihre Eltern sich seit der Trennung nicht verstehen, zeigt Mayer Verständnis: "Man kennt nie die ganze Geschichte." Auch die Alimente sind eine Odyssee; diese hat ihr Vater erst nach einem mühseligen Kampf vor Gericht bezahlt. Mayer glaubt, dass Verletzungen oft über Finanzielles ausgetragen werden: "Die Geldsache hat alles zum Kochen gebracht."

Ähnlich erging es der 19-jährigen Mina Moser: Seit sie zehn Jahre alt ist, lebt sie mit dem Bruder beim Vater. Zuvor waren sie - seit der Trennung der Eltern - bei der Mutter, doch da es Probleme gab, wollten die Kinder zum Vater. Die Eltern respektierten den Wunsch, und auch das Besuchsrecht war nie ein Thema. Sogar Weihnachten und Geburtstage wurden gemeinsam gefeiert. Doch auch hier scheitert es am Geld, von mütterlicher Seite gebe es "so wenig wie möglich", berichtet Moser. Anfangs bezahlte die Mutter die Alimente noch, inzwischen bekommt die Studentin - obwohl es ihr zustünde - nichts mehr.

Klara Santner war bereits 14 Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Ihre Mutter zog aus und nahm die beiden jüngeren Brüder mit. Die heute 26-Jährige blieb bei ihrem Vater. Und obwohl ihre Eltern "schon zerstritten" waren, konnten die Kinder von ihrem Besuchsrecht immer Gebrauch machen: Kein Elternteil verbot ihnen den Kontakt zum Ex-Mann beziehungsweise zur Ex-Frau. Der Vater bezahlte die Alimente für die Söhne, die Mutter berappte jene für Santner - doch auch in diesem Fall war die pünktliche Auszahlung "eher schwierig", so Santner.