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Meine Welt ist nicht schwarz-weiß - und Ihre?

Von Matthias Strolz

Gastkommentare
Matthias Strolz ist Klubobmann der Neos.

Denkt man an die Schreiduelle und die schmutzige Wäsche, die gewaschen wurde, dann sind wir wohl alle froh, dass der Wahlkampf vorbei ist.


Ein ganzes Jahr lang Bundespräsidentschaftswahlkampf hat Österreich in einer Art politischen Katerstimmung zurückgelassen. Denkt man an die Schreiduelle, die Beschuldigungen, die schmutzige Wäsche, die gewaschen wurde, dann sind wir wohl alle froh, dass es vorbei ist.

Doch ist es wirklich vorbei? Nein, eher nicht. Wir bleiben als Bürgerinnen und Bürger mittendrin. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Polarisierung des Landes bleibt auch nach dem Wahltag ein Zustand, an dem so manche politische Kraft weiter arbeiten wird, weil sie davon profitiert. So haben wir in den letzten Monaten gelernt, dass zu dieser Polarisierung immer zwei gehören und dass es um nichts konstruktiver ist, wenn man einer nationalpopulistischen Rechten eine ebenso populistische Linke gegenüberstellt.

Die Menschen wissen, dass die Welt nicht entweder nur schwarz oder nur weiß ist, denn für jeden Einzelnen von ihnen ist sie tagtäglich durch viele Farbabstufungen bestimmt. Die platten Heilsversprechen der Populisten, die rechts und links inszenierten Pole können keine vernünftigen Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit liefern, denn die Wahrheit liegt, wie meistens, irgendwo dazwischen. Dafür braucht es sachliche Leidenschaft und Augenmaß - auch wenn das platte Geschäft des polarisierenden Populismus täglich lockt.

Für Neos ergibt sich daraus der Auftrag, der Vernunft und den zwischen den Stühlen sitzenden Wählerinnen und Wählern ein wirkmächtiges politisches Zuhause zu geben. Als moderne Zentrumsbewegung fühlen wir uns in der Verantwortung, mit kühlem Kopf und heißem Herzen, stets der Menschenliebe verpflichtet, das politische Feld für die gesellschaftliche Mitte zurückzuerobern. Dazu gehört für uns, die Vergangenheit unseres Landes im Kopf zu behalten, den Blick auf die Zukunft zu richten und das Ohr bei den Bürgerinnen und Bürgern zu haben. Wichtig ist uns dabei, sich zu überlegen, wo wir unser Land in zehn oder in zwanzig Jahren gerne sehen würden und welche Rolle es dann in Europa und der Welt spielen soll. Fragen wie jene nach der langfristigen Entwicklung des Bildungssystems, der Wirtschafts- und speziell Arbeitsmarktpolitik und des demokratischen Systems stehen dafür im Mittelpunkt unserer Arbeit. Unser Ziel ist es, jahrzehntelang bestehende Blockaden zu sprengen, um den Weg für Reformen freizulegen und zu Stein erstarrte Prozesse wieder für Bürgerbeteiligung zu öffnen und attraktiv zu machen.

Politik ist der Ort, an dem wir uns ausmachen, wie wir miteinander leben. Diesen Ort werden wir weiter mit Lust, Lebendigkeit und Lösungen füllen. Die Erneuerung, die wir bringen wollen, soll den Alltag eines jeden in Österreich lebenden Menschen verbessern. Das ist unser Anspruch. Wir Neos sind nicht Ihre Erziehungsberechtigten. Wir verstehen uns als eine Bürgerbewegung, die mit Ihnen an der Erneuerung Österreichs arbeitet. Ihre Stimme zählt für uns, und ich möchte Ihnen hiermit meine Einladung dazu aussprechen, mit Neos unser aller gemeinsame Zukunft mitzugestalten.