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Meinl darf am Freitag nach Hause

Von WZ Online

Wirtschaft

100 Millionen Euro Kaution hinterlegt | Wien. Über den am Mittwoch festgenommenen Bankier Julius Meinl V. wurde am Donnerstag die Untersuchungshaft verhängt. Der 49-jährige dürfte aber am Freitag wieder entlassen werden. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, bestätigte den Eingang der Kaution in der Höhe von 100 Millionen Euro.


Es werde nun geprüft, ob das Geld unwiderruflich eingelangt sei. 100 Millionen Euro sind in Österreich noch nie als Kaution hinterlegt worden.

Dem Multimillionär wird Untreue, Provisionsschinderei und Betrug vorgeworfen. Für Julius Meinl gilt die Unschuldsvermutung.

Meinl war Mittwochabend von den Ermittlern stundenlang zur Affäre um die Meinl European Land (MEL; heute Atrium Real Estate) einvernommen worden. Die Meinl-Tochter ist unterdessen verkauft.

Anleger werfen Meinl seit langem vor, durch Aktienrückkäufe großen Schaden verursacht zu haben. Am 18. Februar 2009 waren Hausdurchsuchungen an Meinl-Standorten in Österreich, u.a. in der Bank-Zentrale in Wien und in Julius Meinls Privatvilla in Grinzing, sowie in Bratislava, wo teilweise die Buchhaltung abgewickelt wurde, durchgeführt worden.

Fluchtgefahr gegeben

"Julius Meinl besitzt die Staatsbürgerschaft des Vereinigten Königreichs. Aufgrund der bisherigen Ermittlungen und jüngst gewonnener Beweisergebnisse war zu befürchten, dass er sich der Strafverfolgung entzieht", erläuterte Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Donnerstag früh die Hintergründe der richterlichen Festnahmeanordnung. Laut dem Nachrichtenmagazin "Format", das Mittwoch nachts als erstes über die Festnahme berichtet hatte, sei Meinl sein luxuriöser Privatjet zum Verhängnis geworden, da die Falcon 2000 dem Vernehmen nach am General Aviation Center in Wien-Schwechat vollgetankt bereit stehe.

Die Meinl Bank AG, wo Julius V. Aufsichtsratsvorsitzender ist, betonte in einer kurzen Stellungnahme, dass die Festnahme keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb habe. Die Lage des Instituts sei stabil und die Einlagen sicher, hieß es.

Julius Meinl V. ist Spross des traditionellen "Mohren-Imperiums", das im Lebensmittelhandel in großem Maßstab tätig war. Meinl V. konzentrierte sich dann auf das Bankgeschäft, das er nach angelsächsischem Vorbild betreiben wollte. Die auf der Kanalinsel Jersey ansässigen Investmentgesellschaften Meinl European Land (MEL), Meinl International Power (MIP) und Meinl Airports International (MAI) richteten sich beim Börsegang an das breite Publikum in Österreich und warfen für die Meinl Bank zunächst sehr hohe Erträge ab. Anleger fühlten sich jedoch zunehmend hinters Licht geführt.

Marke ident mit Namen

Aufsichtsbehörden und Justiz hatten den Investmentbanker wegen des Finanzskandals um Aktienrückkäufe bei der einstigen MEL lange im Visier. Zigtausende Anleger haben mit den von ihm entworfenen Jersey-Meinl-Börsefirmen Milliarden verloren, über zwei der drei Ex-Meinl-Fonds auf Jersey - die von "Rebellen" übernommenen "Airports" und "Power" - ist vergangene Woche der Auflösungsbeschluss gefallen. Julius V. bestritt lange, mit den Firmen verflochten zu sein.

"Die Marke ist ident mit meinem Namen", sagte Meinl einmal in einem Interview. Das einst renommierte österreichische Wirtschaftsimperium mit rund 150 Jahren Geschichte kämpft nun mit seinen größten Problemen. Der gute Name "Meinl" gilt wohl als ruiniert.

Siehe auch

Chronologie: Die Geschäfte des Herrn Julius Meinl

+++ Der fünfte Meinl machte Namen kaputt

(APA, Reuters)