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Meinung von außen

Von Bernhard Obermayr

Wirtschaft

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Zwei Meldungen vom Weltwirtschaftsforum in Davos erregten Aufmerksamkeit. Sharon Stone sammelte "spontan" 1 Mio. Dollar für Moskitonetze. Frankreichs Präsident fordert die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen, Kerosin und Flugtickets zur Finanzierung des Kampfes gegen Aids in Afrika. Während ersteres als Marketinggag in eigener Sache verbucht werden kann (wobei es schlechtere Möglichkeiten für in Vergessenheit geratene Stars gibt), verdient zweiteres schon mehr Beachtung.

Es gehört inzwischen zum Repertoire der Zusammenkünfte der "Weltenlenker", dass sie nebst Business auch was "fürs Herz" machen. LieblingsadressatInnen sind die afrikanischen Aidskranken. Die diesbezügliche Lage in Afrika ist tatsächlich dramatisch. Trotzdem produzieren entsprechende Ankündigungen immer noch positive Schlagzeilen und provozieren nicht die Frage, warum seit der letzten Ankündigung so gut wie nichts gemacht wurde. Diese Beschwörung der afrikanischen Aidskranken als menschliches Feigenblatt zur Gipfelbehübschung ist längst zur zynischen Verhöhnung menschlichen Leids verkommen.

Trotzdem wäre es zu einfach, Chiracs Vorstoß ganz abzutun. Sein Vorschlag beschränkt sich nicht auf "mehr Spenden", sondern beinhaltet strukturelle Änderungen im globalen Prozess. Die Einführung auch nur einer der drei vorgeschlagenen Steuern zur Bekämpfung eines globalen Problems wäre ein großer Wurf. Jede dieser Steuern würde den Aspekt der globalen Umverteilung von Reich zu Arm beinhalten, eine gesicherte langfristige Finanzierung darstellen sowie eine positive Lenkungsfunktion wie Stabilität auf den Finanzmärkten.

Die Medienschlagzeilen sind vorbei. Interessant wird das Follow up. Kann sich die EU endlich durchringen, Handlungen zu setzen, die solchen Gipfelankündigungen auch nur entfernt gerecht werden? Und bitte keine Ausreden, von wegen nicht machbar und schon gar nicht im Alleingang.

Bloß: Aus den Erfahrungen der bisherigen Ankündigung scheint eine Rolle für Sharon Stone die wahrscheinlichere Konsequenz aus Davos zu sein.

Bernhard Obermayr ist Ökonom und Mitglied der globalisierungskritischen Organisation Attac.