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Menschen brauchen Liebe

Von Andreas Rauschal

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Liebe ist . . . ja, was ist Liebe? Nach einem zum Start der ORF-Kuppelshow "Liebesg’schichten und Heiratssachen" gereichten Rückblick auf die Sendungsgeschichte mitsamt ihrer Legion an balzenden L’amour-Utopisten war man diesbezüglich verwirrter denn je. So unterschiedlich die Liebenden, so different ihre Ansicht, wen man in den Himmel seiner Hormonwelt heben und warum man überhaupt davon abkehren sollte, sich mit sich selbst zu be-, sprich vergnügen. Der Käfig voller (liebenswerter) Narren, den Elizabeth T. Spira schon immer als Streichelzoo ausstellte, um ihn nichtsdestotrotz mit dem Hinweis "Vorsicht bissig!" zu versehen, fiel dabei so artenreich wie für die mit der austriakischen Volksseele bestens vertraute TV-Macherin kaum überraschend so heimisch aus, dass die voyeuristische Schau zu einem dialektischen Ereignis verkam. Vor lauter Hin(weg)schauen musste man quasi die Wand betrachten. Sie gehört, nebenbei gesagt, dringend mit einem Bild behangen!

Fromme ältere Jungmänner mit dem Bedürfnis nach reinen Mädchen trafen auf geografisch abseits der Region um Emanzipation interessierte Rotlichtschläfer mit katholischer Bettlektüre und auf vom Glauben geflohene Ex-Klosteraner mit verspätetem Frühlingserwachen. Der große Bürger sehnte sich wie der kleine Mann nach einer Dame. Mutmaßliche und rechtskräftige Ex-Knackis, ängstliche Dichter und traurige Witwer überkam das Gefühl ebenso wie Mamis bösen Buben, den wundersamen Opernfreund oder die lockende Waldfee. Es einte sie ein Bedürfnis: Menschen brauchen Liebe. Elizabeth T. Spira be- und vergnügte sich mit sich selbst. Ein großer Spaß für alle Beteiligten hinter der Kamera!