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Menschen statt Geschlechter

Von Martyna Czarnowska

Politik

Als Galionsfigur der deutschen Frauenbewegung wurde sie vorgestellt, als erfolgreiche Buchautorin präsentierte sie sich: Alice Schwarzer war vergangene Woche im Rathaus zu Gast. Bei einem "Round Table" mit Frauenstadträtin Renate Brauner nahm sie ebenso zu aktuellen politischen Ereignissen in Österreich Stellung - und schonte dabei auch die SPÖ nicht.


Heftiger Applaus war ihr sicher: Als Alice Schwarzer den überfüllten Saal betrat, wurde ihr herzlicher Empfang zuteil. Dabei war es ihr erster offizieller Auftritt an einem 8. März, wie sie betonte. Denn das Streben nach Gleichberechtigung von Männern und Frauen beschränkt sich nicht auf einen Tag im Jahr.

Die EMMA-Chefredakteurin präsentierte sich zunächst als Buchautorin und las aus ihrem Werk "Der große Unterschied". "Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen", spricht sie sich darin aus. "Mein Traum ist der vollständige Mensch, bei dem das biologische Geschlecht eines Tages keine Rolle mehr spielt", schreibt Schwarzer.

Was selbstverständlich auch für die Politik gilt. Denn grundsätzlich könne auch ein fähiger Mann gute Frauenpolitik betreiben. So kann sie auch Herbert Haupt in der Funktion des Frauenministers Positives abgewinnen: Theoretisch könnte er sich teilweise sogar besser für Frauenanliegen einsetzen als Frauen, die sich für derartige Vorschläge oft entschuldigen müssten.

Vom Vorwurf der Scheinheiligkeit in Bezug auf Frauen wollte Schwarzer aber keine Partei ausnehmen. Mehr Frauen in der Politik sei ohne eine auf Frauen ausgerichtete Politik zu wenig, meinte sie.

Doch 30 Jahre Frauenbewegung hätten auch Früchte getragen, stellte die Autorin fest und verwies auch auf eine Vielzahl junger Frauen, die sich für Feminismus interessieren. Rückschläge gebe es allerdings ebenso: Das in Österreich beschlossene Kindergeld, das zu langen Berufsunterbrechungen zum Zweck der Kinderbetreuung animiert, möchte sie davon nicht ausnehmen.