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"Menschen statt Profit"

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

Kopenhagen - Der EU-Gipfel in Kopenhagen ist für GlobalisierungskritikerInnen und GegnerInnen des Kapitalismus eine Gelegenheit, ihre Anliegen in Demonstrationen und Gegenveranstaltungen zum Ausdruck zu bringen. Die Aktionstage begannen bereits vor Auftakt des EU-Gipfels. Das Motto: "Menschen statt Profit!"


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So viele PolizistInnen sind in Kopenhagen sonst nicht zu sehen. Rund sechs Tausend versehen ihren Dienst während des EU-Gipfels. Von den angesagten Demonstrationen war am Donnerstag Nachmittag allerdings kaum etwas zu spüren. Sechs Kundgebungen waren zunächst geplant, vorangegangen seien ihnen monatelange Gespräche zwischen VeranstalterInnen und Polizei. "Das ist Teil der dänischen Demokratie", meint ein Diplomat - und sieht den Demonstrationen gelassen entgegen. "Das meiste spielt sich im Stadtzentrum ab", erzählt er. Denn in der Stadt zu demonstrieren sei wirkungsvoller als im abgeschiedenen Bella Center, dem Messezentrum, in dem die Verhandlungen stattfinden.

Die Aktivisten wollen sich im weiteren Verlauf des Gipfels mit "konfrontativen, direkten Aktionen gegen Europas Kapitalismus" wenden. Die Ausdrucksformen werden den TeilnehmerInnen ausdrücklich freigestellt. Eine inhaltliche Richtlinie gibt es allerdings doch: "Wir hoffen, dass solche Aktionen die Aufmerksamkeit auf die kapitalistische Welt(un)ordnung leiten werden, über die die Schweine an diesem Wochenende geifern werden."

Weitere Kundgebungen sind für Palästina, gegen den Rassismus und den "Polizeistaat Europa" geplant. Dabei lauten die Losungen unter anderem "Krieg ist Frieden", "Freiheit ist Sklaverei" und "Unwissenheit ist Stärke". In Seminaren und Kongressen sollen die Rolle der Gewerkschaften, der Lage der Frauen und den Auswirkungen der Privatisierung thematisiert werden. Um richtig in Stimmung zu kommen, beginnt der Veranstaltungsreigen mit einem "workshop", bei dem Slogans beschlossen und Transparente angefertigt werden.

Grenzblockaden

Eine andere Protestfront eröffneten am Donnerstag tschechische Bauern an der Grenze zu Österreich und Deutschland: Aus Ärger über das ihrer Meinung nach geringe Agrar-Finanzangebot der EU blockierten sie mit Traktoren verschiedene Grenzübergänge für den Lkw-Verkehr.