Zum Hauptinhalt springen

Menschlichkeit bleibt auf der Strecke

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Ein Monatsgehalt muß ein "durchschnittlicher" US-Amerikaner hinblättern, um sich einen Computer kaufen zu können. Ein Bangladeshi muß acht Jahre dafür sparen. Betrachtet man nun den Anstieg der | Zahl der Computer mit Internetzugang im Zeitraum 1988 bis 1998 von 100.000 auf 36 Millionen, so erübrigt sich die Frage, wer im globalen Wettlauf um den Wirtschaftsfaktor Wissen den entscheidenden | Vorsprung hat.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 24 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Der jüngste "Bericht über die menschliche Entwicklung", der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in Auftrag gegeben wurde, zeigt diesmal schwerpunktmäßig die eklatante

Ungleichverteilung im Technologiebereich auf. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich durch die Globalisierung keineswegs verringert · nicht nur im wirtschaftlichen Sinn. Überall auf der Welt

trennt der Internet-Zugang nicht nur Reiche von Armen · wie das oben genannte Beispiel demonstriert ·, sondern auch Gebildete von Analphabeten. Arme Menschen haben nicht nur kein Geld, sondern auch

keine "Verbindungen", da sie nicht ans Netz angeschlossen sind, und ihre Anliegen finden deshalb auch nur sehr selten Gehör in der "globalen Arena", so der Bericht. Die Errichtung von

Telekommunikations- und Computerinfrastruktur in den ärmsten Ländern ist daher ein großes Anliegen der UNO.

Die Globalisierung unterwirft zudem die Fürsorgearbeit ("Das unsichtbare Herz") immer stärkeren Zwängen, sagte UNDP-Experte Hans d'Orville bei der Präsentation des Berichts. Die Menschlichkeit werde

dem Wettbewerbsstreben geopfert. Auch in der Forschung entscheide das Geld. Gewinnstreben und nicht die Bedürfnisse der Menschen bestimmten die Schwerpunktsetzung. So stellt der Bericht fest:

"Kosmetische Arzneimittel und langsam nachreifende Tomaten stehen auf der Prioritätenliste höher als ein Impfstoff gegen Malaria oder dürre-resistente Nutzpflanzen für empfindliche Böden".

Index wurde

weiter verbessert

Der seit 1990 jährlich berechnete "Index für menschliche Entwicklung" ("Human Development Index"), der von einem Team von Wirtschaftsfachleuten und Entwicklungsexperten erstellt wird, wurde im

vergangenen Jahr weiter verfeinert und mit neuen und verbesserten Daten für 1997 ergänzt. Er mißt · im Gegensatz zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) · nicht nur die Wirtschaftsleistung eines Landes,

sondern berücksichtigt auch Faktoren wie die Alphabetisierungsrate und die Lebenserwartung. Die Skala, die 174 Länder enthält, wird von Kanada, Norwegen und den USA angeführt. Sierra Leone, Niger und

Äthiopien liegen an letzter Stelle. Österreich rutschte vom 13. auf den 16. Rang ab, was in erster Linie auf die Rekalkulierung von Daten zurückzuführen ist.