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Mentalität in Europa bremst die Wirtschaft

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Krisensymptom: Abneigung gegen Leistung und Wettbewerb. | Weniger Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen als in USA. | Wien/Alpbach. Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps macht in einem Interview mit der "Wiener Zeitung" die europäische Mentalität dafür verantwortlich, dass sich die Konjunktur unseres Kontinents seit langem weniger dynamisch entwickelt als jene der USA.


Aus längerfristigen Untersuchungen der Universität Michigan sei hervorgegangen, dass die Bevölkerung in einigen großen europäischen Ländern wenig Wert auf leistungsorientierte Entlohnung und Wettbewerb lege.

In Nordamerika sei außerdem der Anteil jener Arbeitnehmer höher als in Europa, die kein Problem damit haben, Anweisungen auszuführen. Gleichzeitig ist auch die Bereitschaft höher, selbst Verantwortung zu übernehmen, so Phelps. Diese Einstellung führe dazu, dass Arbeitnehmer in Nordamerika wesentlich zufriedener mit ihrem Job seien als in Europa.

US-Immobilienkrise

Die US-Hypothekenkrise bezeichnet Phelps als "sehr ernst", es bestünde aber Hoffnung, dass sie die Märkte verkraften. Die USA müssten sich jedoch auf eine längere Periode mit geringerer wirtschaftlicher Aktivität und höherer Arbeitslosigkeit einstellen.

Die Wirtschaftswissenschaft sollte in ihren Theorien den Faktoren Unsicherheit und Zwiespältigkeit deutlich mehr Gewicht einräumen als bisher, meint Phelps. Der gesamte Komplex der neoklassischen Ökonomie "muss verschwinden", so der Nobelpreisträger.

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