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Merkel entschuldigt sich bei Angehörigen von Neonazi-Opfern

Von Georg Friesenbichler

Politik

Deutschland gedachte der Opfer der Terror-Zelle aus Zwickau.


Berlin. Beate Zschäpe schweigt noch immer. Aus ihrer Untersuchungshaft in Köln dringt keine Äußerung zu den Vorwürfen, sie hätte gemeinsam mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die Mitte November in Zwickau Selbstmord begangen haben, zehn Menschen getötet. Es gibt lediglich viele Indizien, die auf die Täterschaft des Trios, allgemein bekannt als Zwickauer Terrorzelle, hindeuten, aber längst nicht alle sind ausgewertet. Unterdessen gedachte Deutschland am Donnerstag der Opfer der Mordserie, neun Menschen aus dem Migrantenmilieu und einer Polizistin. Im ganzen Land gab es zu Mittag eine Schweigeminute.

Zwölf weiße Kerzen wurden im Konzerthaus am Berliner Gendarmenplatz aufgestellt, zehn für die Toten, eine weitere für alle Opfer rechtsextremen Terrors und die zwölfte für die Hoffnung, dass sich solche Taten nie wiederholen mögen. Vor den 1200 Gästen bei der Gedenkveranstaltung hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hauptrede, in Vertretung des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff, der die Veranstaltung initiiert hatte. Viele Angehörige standen jahrelang selbst unter Verdacht, sagte Merkel an die Opferfamilien gerichtet, von denen viele anwesend waren - "das ist besonders beklemmend. Dafür bitte ich Sie um Verzeihung." Eine der Angehörigen, die gleichfalls das Wort ergriffen, beschrieb, wie ihre Mutter als Tatverdächtige behandelt wurde.

Die Anschläge seien eine "Schande für Deutschland" gewesen, sagte die Kanzlerin weiter. Zugleich betonte sie, dass die Vielfalt der in Deutschland lebenden Menschen der Grund für den Wohlstand sei. "Deutschland - das sind alle, die in diesem Land leben", sagte Merkel, die auch ihr Bekenntnis zu lückenloser Aufklärung der Mordserie erneuerte.

Dabei bleibt allerdings noch einiges zu tun. Noch nicht einmal die Hälfte der Beweisstücke gegen die Thüringer Zelle haben die rund 350 Ermittler bisher gesichtet. Trotzdem ist Generalbundesanwalt Harald Range, der bald nach dem Auffliegen des selbsternannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" die Leitung der Untersuchungen übernommen hat, zuversichtlich, dass im Herbst eine Anklage vorliegen wird.

Von seiner früheren Aussage, dass es Verbindungen zu rechtsextremen Partei NPD gibt, ist Range in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" abgerückt. "Es ist nach heutigem Erkenntnisstand nicht so, dass der NSU eine Armee der NPD war", sagte er. Es existiere lediglich eine gemeinsame ideologische Basis, aber keine organisatorische Verbindung. Das ist keine gute Nachricht für jene Politiker aus allen Parteien, die auf ein NPD-Verbot drängen. Allerdings gibt es einzelne NPD-Mitglieder, die offenkundig doch Verbindungen zu der Terrorzelle hatten, zwei davon sind unter jenen fünf mutmaßlichen Unterstützern, die derzeit in Untersuchungshaft sitzen. Insgesamt wird gegen zwölf mögliche Unterstützer ermittelt.