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Messen arbeiten an ihrem Image

Von Rosa Eder

Wirtschaft

Unternehmen, die auf einer Messe ausstellen, wollen in erster Linie eines: Am letzten Tag mit prall gefüllten Auftragsbüchern nach Hause fahren. Doch so simpel läuft es heutzutage nicht mehr.


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Messebesucher informieren sich viel gründlicher und länger als früher, bevor sie kaufen. "Die klassischen Order-Messen gibt es nicht mehr", sagt Paul Hammerl, Pressesprecher von Reed Exhibitions Österreich, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ein Aussteller kann seine Messearbeit nicht mit dem letzten Tag der Veranstaltung abschließen", so Hammerl. Kontaktanbahnung und anschließende Kontaktpflege seien heute das Um und Auf. Das gelte sowohl für Fach-, als auch für Publikumsmessen.

Die Messen sind ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor für Österreich. Darauf haben die großen österreichischen Messeveranstalter nun erstmals gemeinsam hingewiesen. Jeder Euro, der im österreichischen Messebereich ausgegeben wird, löst weitere 5 Euro Umsatz in messefremden Branchen (Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Taxiunternehmen etc.) aus, ließ die Arbeitsgemeinschaft Messen Austria (AMA) erheben. In der Arbeitsgemeinschaft sind die zehn größten Messen des Landes (Reed Salzburg und Wien, Burgenland, Dornbirn, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Ried, Wels, Wieselburg) zusammengeschlossen. Diese "Top 10" haben im vergangenen Jahr mit ihren insgesamt 100 Mill. Euro Umsatz zusätzliche 500 Mill. Euro in den Wirtschaftskreislauf "gepumpt".

Walter Dermuth, Aufsichtsratspräsident der Kärntner Messen und für die kommenden zwei Jahre turnusmäßiger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, wünscht sich in Österreich mehr Anerkennung für die Messen. "In Deutschland ist der Stellenwert ein wesentlich anderer. Dort ist es z.B. selbstverständlich, dass bei Messen die höchsten Spitzen des Landes dabei sind", sagt Dermuth. Ungeachtet der Größenunterschiede zwischen Deutschland und Österreich, beteilige sich die deutsche Wirtschaft in einem viel höheren Ausmaß an deutschen Messen als die Österreicher an heimischen , fügt Hammerl hinzu. In Deutschland würden Kammern und Verbände die Branche stark unterstützen, auch treten dort Verbände direkt als Veranstalter auf - ein Umstand, der in Österreich vermisst wird.

In Deutschland finden aber auch viel größere "Kaliber" statt als in Österreich. So lockte etwa die weltgrößte Computermesse CeBIT allein heuer im März 560.000 Besucher nach Hannover. Reed Exhibitions zählte in Österreich im Gesamtjahr 2002 bei insgesamt 44 Veranstaltungen rund 500.000 Fachbesucher. Mega-Events haben den Nachteil, dass das Angebot unüberschaubar wird und die Bedürfnisse der Besucher übersteigen, so Hammerl. Auf den "intimeren" österreichischen Messen sei face-to-face-Kommunikation möglich, was eine bessere Verhandlungsbasis schaffe.

AMA-Vorsitzender Dermuth will in den kommenden zwei Jahren die Imagepflege und das Lobbying für österreichische Messeveranstaltungen vorantreiben und dadurch Attraktivität des heimischen Marktes für internationale Aussteller erhöhen.

Im Jahr 2002 veranstalteten die AMA-Mitglieder rund 100 Fach- und Publikumsmessen mit über 25.000 Ausstellern und rund 2,78 Millionen Besuchern.