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Messerscharf und supercool

Von Karin Henjes

Reflexionen

Wenn Männer kochen, dann ist das meistens ein ganz großes Ding. Auf dem Profi-Kochbuchhalter ruht das neueste Jamie-Oliver-Kochbuch. Mit der elektrischen Küchenwaage werden die Zutaten präzise ausgemessen. Die | Kultküchenmaschine Kitchen Aid steht für alle erdenklichen Manöver bereit. Und eine Armee perfekt geschliffener japanischer Messer sekundiert situationsangepasst bei der kulinarischen Operation. Da fehlt eigentlich nur noch eins: die richtige Küchen-Kulisse.


Dass die maskuline Lust am Kochen heute längst nicht mehr nur von jungen, fortschrittlichen Männern gepflegt wird, haben die Macher der deutschen Küchenfirma Poggenpohl und der Porsche Design Group bereits 2005 erkannt. Das Ergebnis ihrer damals begonnenen Zusammenarbeit: eine atemberaubende High-Tech-Küche, vorgestellt auf der Kölner Möbelmesse im Januar 2008 und erschaffen für das derzeit angesagteste Luxus-Hobby wohlhabender Männer von Welt - das Kochen.

Kochen mit Porsche

Seit Juni 2008 wird die noble "Porsche-Küche" produziert, seit September ist sie nach Premieren in Asien, USA und Nordeuropa auch in deutschen und österreichischen Küchenstudios zu Hause. Elmar Duffner, Geschäftsführer von Poggenpohl, zu seinem Meisterstück: "Die moderne Küche hat sich in den letzten Jahren zum Erlebnis- und Repräsentationsraum gewandelt, der übrigens auch oft mit Unterhaltungselektronik ausgestattet ist. Mit Porsche Design haben wir eine Küche entwickelt, die sich mit ihrer klaren, funktionalen Formensprache speziell an männliche Kunden wendet". Neben einer extrem technischen und maskulinen Optik dank Aluminiumrahmen, integrierter Beleuchtung und griffloser Front enthält das Küchensystem auf Wunsch auch ein High-Tech-Audio-Video-System mit Internet und Flachbildschirm. Die installierten Küchengeräte werden nicht mit Knöpfen, sondern per Sensor und Dialogfeld betätigt. Kostenfaktor für die extrem futuristische "P 7340": ab 100.000 Euro aufwärts.

Luxus vom Design-Primus

Doch Poggenpohl ist nicht die einzige Küchenfirma, die auf den Mann gekommen ist. Der Designkenner Hubertus Kläs hat das Luxusthema Kochen ebenfalls seit längerem auf dem Radar, wie es im neuesten Liftestyle-Jargon so schön heißt. Kläs - der unter anderem bereits das Marketing der Sofafirma Rolf Benz verantwortete - übernahm vor einem Jahr die Geschäftsführung der deutschen Küchenmanufaktur Format Küchen. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt initiierte er ein absolutes Premium-Projekt: die Küche der Superlative, gestaltet vom Büro Foster + Partners des unangreifbar erstklassigen Architekten Norman Foster. Im Frühjahr 2010 wird das Ergebnis dieser aufregenden Liaison auf der Mailänder Möbelmesse präsentiert. Zwar wendet sich Kläs mit dem künftigen Luxusprodukt nicht explizit an den männlichen Koch. Dass er diese wichtige Zielgruppe im Visier hat, gibt er im Gespräch jedoch unumwunden zu.

Fette Herde

Dafür, dass die "Foster-Küche" alle Anforderungen an eine moderne Männerküche erfüllt, kann Kläs ganz persönlich garantieren. Als begnadeter Heim-Bäcker (seine Weihnachtskekse sind legendär) weiß er, was er zum Glück in der Küche braucht. Für seinen privaten, zum Wohnzimmer hin offenen Küchenbereich hat er - ganz Mann - alle Möglichkeiten der technisch unterstützten Raumkonzeption ausgeschöpft. "Unsere Küche ist, wie in modernen Grundrissen üblich, zum Wohnbereich hin offen", berichtet Privatmann Kläs. "Deshalb haben wir die geräuschvollen Küchenmaschinen in einen Raum hinter der Küche verbannt." Und als Dunstabzugshaube wurde ein High-Tech-Modell gewählt, das faktisch geräuschlos arbeitet. Ein weiteres Objekt, das in der Kläs´schen Küche eine eindeutig männliche Handschrift trägt: "Ein dicker fetter, 90 Zentimeter breiter Backofen". Für diesen ist allerdings auch die Frau im Haus dankbar: Als waschechte Britin lädt sie einmal im Jahr in der Weihnachtszeit zum klassischen Truthahnessen - für das rund 15 Kilogramm schwere geflügelte Prachtexemplar kommt der Backofen-Gigant gerade recht. Weitere maskuline Elemente in der männerfreundlichen Küche von Hubertus Kläs? Die ergonomisch angepasste Arbeitshöhe, über die er mit seiner hochgewachsenen Gattin nicht groß verhandeln musste.

Maßvoll planen

Die Arbeitshöhe ist neben coolem Design, sexy High-Tech, imposanten Küchengeräten und feinst ausgeklügelter Raumkonzeption das fünfte Element, das eine Küche zum explizit männergerechten Ort machen kann. Als ergonomische Arbeitshöhe für Menschen mit Größe 1,65 bis 1,85 Meter gilt das Standardmaß von 86 cm (einen Ergonomieplaner für die die ideale individuelle Abmessung gibt es unter www.kueche1.com ). Und was ist sonst noch anders in der Männerküche? Frauen kochen intuitiver als Männer, findet Hubertus Kläs. Männer kaufen genau nach Rezept ein, während Frauen sich eher mal auf dem Markt umschauen, was es so Frisches, Schönes gibt, und daraus ein Gericht kreieren. Das wiederum erinnert an die Zeiten der Jäger und Sammlerinnen: Während der Mann weite und gefährliche Strecken für die Tierjagd exakt planen musste, wanderten Frauen die Gegend um das Lager herum nach essbaren Pflanzen und Früchten ab. Diese Zeiten sind komfortablerweise vorbei. Dass jetzt auch Männer zu Hause kochen, ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Evolution. Und wenn sie das am liebsten in einer Art Großraum-Ersatzauto machen, dann lassen ihnen kluge Frauen diese Freude gerne.