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"Mickrige" Zinsen von 1,6%

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Banken und Versicherungen bewerben derzeit ihre Zukunftsvorsorgeprodukte heftig, doch der Verein für Konsumenteninformation (VKI) befürchtet, dass sich viele Anleger blenden lassen. Hervorgehoben wird die staatliche Prämie von 9,5%, und die Werbung suggeriert, dass es sich dabei schon um die Rendite handelt. Was nicht stimmt, denn der Ertrag pro Jahr beträgt nur "mickrige" 1,6%, kritisieren die Experten des VKI. Sie haben einen Großteil der auf dem Markt befindlichen Vorsorgeprodukte unter die Lupe genommen und raten den Kunden zur Vorsicht: Es gibt große Unterschiede.


Die Berater drängen einem die Vorsorgeprodukte geradezu auf, doch statt detaillierter Informationen, erhält man Prospekte oder wird mit unzureichenden Auskünften abgespeist. Der VKI hat festgestellt, dass die Angestellten der Banken und Versicherungen oft über ihre Leistungen erschreckend schlecht Bescheid wissen. Die Tester machten die Erfahrung, dass sie statt der Beratung den Stift zur Vertragsunterzeichnung in die Hand gedrückt bekamen mit den Worten: "Greifen's doch zu, wenn Ihnen der Staat schon mal was schenkt." VKI-Obmann Harald Glatz: "Da geht es nur um den Vertragsabschluss."

Attraktive Rendite-Berechnungen werden in den Werbeprospekten versprochen, von 6% pro Jahr ist die Rede. Solche Angaben sind für Kapitalmarktexperten "absurde Annahmen". Das Wifo rechnet im besten Fall mit maximal 4% Ertrag. Der VKI warnt vor "Bauernfängerei": Für die versprochenen Zinsen gibt es keine Garantie, sondern nur für Prämie und Kapital. "Der Konsument sollte davon ausgehen, dass er nur die garantierte Prämie hat, alles andere ist Spekulation," betont Glatz. Denn die Vorsorgeprodukte hängen von den Aktienmärkten ab, entwickeln sich diese weiterhin schlecht, ist nicht mit Erträgen zu rechnen. Auf diese Risken wird nicht hingewiesen.

Bei einer 10-jährigen Laufzeit macht die Effektivverzinsung trotz vielgepriesener Prämie nur 1,6% aus. Bei einer 20-jährigen Laufzeit sind es gar nur noch 0,9%. Kunden sollten sich deshalb auf keinen Fall länger als die gesetzlichen 10 Jahre binden. Eine solch mickrige Rendite wird von sichereren Sparformen wie dem Bausparen oder Kapitalsparbuch weit übertroffen. Dabei gibt es zusätzlich den Vorteil, dass über das eingezahlte Kapital frei verfügt werden kann und keine Renten-Pflicht besteht.

Intransparent seien auch die Kosten, die würden sich als "Rendite-Fresser" erweisen, warnt VKI-Versicherungsexpertin Gabi Riener. So kostet die Kapitalgarantie 1% jährlich des einbezahlten Betrags, dazu kommen die Verwaltungskosten von 0,75 bis 1,5% sowie ein Ausgabeaufschlag von 3%, der bei jeder Einzahlung anffällt. Für Fondsprodukte sind außerdem bis zu 1,2% Depotgebühr zu zahlen. Und für Versicherungsprodukte fallen 4% Steuer an, so Riener gegenüber der "Wiener Zeitung". Von 18 geprüften Produkten wurden 4 empfohlen, die mehr Flexibilität bieten: Erste ESPA Vorsorge Classic, Raiffeisen Pensionsfonds, Volksbank Austro-Garant und Allianz BonusLife. Der VKI rät: "Nachrechnen und nur nichts überstürzen."