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Migranten fehlen bei Polizei und in Banken

Von Toumaj Khakpour

Politik
Integrationsexpertin Beatrix Lewandowski.

Auch in Verwaltung und Versicherungswesen sind wenige Migranten tätig. Expertin schlägt relative Quotenregelung vor.


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Wien. Migranten sind in vielen Branchen des österreichischen Arbeitsmarktes deutlich unterrepräsentiert. Zu diesem Ergebnis kommen Erhebungen der Statistik Austria. Besonders sichtbar ist dieser Trend - laut statistischem Jahrbuch für Migration 2011 - in den Bereichen öffentliche Verwaltung, Finanz- und Versicherungswesen sowie Land- und Forstwirtschaft. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gerade einmal 5 bis maximal 10 Prozent der erwerbstätigen Migranten arbeiten in diesen Arbeitsfeldern.

Beatrix Lewandowski, stellvertretende Geschäftsführerin des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), spricht von einer noch ausstehenden "vollständigen Integration von Migranten in allen Branchen des Arbeitsmarktes". Denn, obwohl viele Migranten im Handel und in der Sachgütererzeugung arbeiten, ist ihre Präsenz in Verwaltung, Polizei und Bundesheer noch relativ gering. Ausschlaggebend dafür können sowohl fehlende sprachliche und berufliche Qualifikationen als auch der teilweise noch geringe Akademikeranteil unter den am stärksten vertretenen Migrantengruppen in Österreich sein.

Hürde Staatsbürgerschaft

Aber auch qualifizierte Migranten haben Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Der langwierige Nostrifikationsprozess von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen stellt häufig ein besonderes Hindernis dar. Zudem gibt es einige Berufe im Verwaltungsbereich etwa den Polizeidienst, bei denen die österreichische Staatsbürgerschaft als Voraussetzung gilt - diese kann bei manchen Migranten zum Hürdenlauf werden. Angesichts dieser weitreichenden Problematik tragen projektfördernde Institutionen wie der ÖIF zu einer Lösung der erschwerten Situation bei. Programme wie das "Liese-Prokop-Stipendium" oder das "Mentoring für MigrantInnen" können diesem Trend Einhalt gebieten.

Dabei werden etwa begabte Migranten mit einem monatlichen Stipendium gefördert, beim Aufbau von beruflichen Netzwerken begleitet oder im oftmals schwierigen Nostrifikationsprozess unterstützt. "Österreich kann es sich nicht leisten, auf ihr Potenzial zu verzichten", ist Lewandowski überzeugt. Besonderes Augenmerk gilt es dabei auf den nötigen gegenseitigen Respekt zu legen: "Migranten müssen auf dem Arbeitsmarkt gleichberechtigt und gleich geachtet auftreten".

Die Integrationsexpertin Gudrun Biffl sieht in der strukturellen Diskriminierung ein Hauptproblem des Zugangs von Migranten zum Arbeitsmarkt: "Partei- oder Vereinsmitgliedschaften sind ein wesentlicher Faktor für manche Unternehmen, hinzu kommen die erschwerten Bedingungen für Frauen mit Migrationshintergrund". Diese haben es nicht nur durch ihren "Migrationshintergrund", sondern auch durch ihre ungleiche Stellung als Frau am Arbeitsmarkt schwerer - besonders bei Fixeinstellungen. Als Ausweg aus dieser Misere schlägt die Professorin eine relative Quotenregelung bei Migranten vor, die es erlauben würde, Männer oder Frauen mit Migrationshintergrund bei gleicher Qualifikation gegenüber ihren "einheimischen" Konkurrenten zu bevorzugen.