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Migrantenförderung: Endlos & evaluationsfrei?

Von Werner Pleschberger

Gastkommentare

Der Wohlfahrtsstaat ist unsere helfende Hand. Es gibt immer subjektiven "Bedarf" nach sozialen Hilfen, die permanent von sozialmoralisch argumentierenden öffentlichen und privaten Fürsprechern erfunden werden, sei es im Interesse ihrer Klientel oder im Eigeninteresse.


Im "Einwanderungsland" Österreich sind auch die Migranten ein hilfebedürftiges Klientel mit vielen Fürsprechern. Das Bündel an sozialen Hilfen füllt lange Listen, wobei - dem Föderalismus sei Dank - ein genauer Überblick fehlt. 110 Lehrer für Integrationsarbeit, muttersprachliche Workshops für Eltern, intensives Startcoaching für neuankommende Jugendliche...

Dahinter steht eine bunte Projektwelt des Dritten Sektors: Neue Zentren und Servicestellen werden gegründet, um - so die Selbstbeschreibung - zur interkulturellen Öffnung von öffentlichen Leistungsanbietern beizutragen, den Austausch und die Kommunikation zwischen Einrichtungen zu fördern, Multiplikatoren weiterzubilden, die Sensibilisierung, Orientierung, Aneignung von Kompetenzen im Umgang mit Migranten zu fördern...

Selbstredend wird allerorts beraten, beraten - ohne Haftung!

Hochdiffuse Aufgaben in zeitgemäßer Terminologie, nach oben hin offen: Man kann sich bekanntlich nie genug öffnen, austauschen, weiterbilden oder interkulturelle Kompetenz haben. Wer wagt hier noch einen Einspruch?

Die Adressaten erfahren passiv die Segnungen des Wohlfahrtsstaats, richten sich in ihm ein und lernen, seine expandierenden Angebote aktiv "auszubeuten".

Maßnahmen der allerorts geforderten Kompensation der kindlichen Sprachdefizite werden zum ordnungspolitischen Desaster. Viele Schüler erlernen ihre Sprachfähigkeiten selbstredend in der öffentlichen Schule, die Eltern bringen zusätzliches persönliches und finanzielles Engagement bei. Dies ist unauffällig gelebte Subsidiarität.

In einem neuen Trend flüchten Eltern der steuerzahlenden Mittelschicht in den größeren Städten aus der nächstgelegenen Volksschule, weil sie nicht wollen, dass ihr Kind dort

eher Türkisch als Deutsch lernt. Das Volk mischt sich im anderen Schulsprengel oder in den Privatschulen neu.

Jene Eltern des Migrantensektors mit niedrigen oder überhaupt keinen Steuerleistungen, die ihre Kinder in die öffentlichen Schulen schicken und notwendige Hilfen zur sprachlichen und kulturellen Erziehung und Integration ihrer Kinder einfach dem Staat überlassen, sind die Gewinner. Hinzu kommt, dass die "Ethnisierung der Armutskultur" die aufwendige Kompensation der Sprachdefizite wahrscheinlich ohnehin scheitern lässt - siehe Schulstatistik!

Die ordnungspolitische Diskussion und Evaluation der "Integrationsmaßnahmen" ist höchst aktuell.

Werner Pleschberger ist Politologe an der Universität für Bodenkultur in Wien.