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Mikrowellen-Fernsehen

Von Matthias Greuling

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Eigentlich wollte ich mir die Erde von oben anschauen. Aber Yann Arthus-Bertrands wunderbare Luftaufnahmen in der "Universum"-Doku "Der Blick von oben" kannte ich bereits. Und da dieser TV-Abend so viel Spannendes zu bieten hatte, musste ich zappen. Nach einer Fertigsaucen-Überdosis bei den "Kochprofis" auf RTL2 folgte Fertigkost bei der fettleibigen Kandidatin im anschließenden "Frauentausch": Ihr Kühlschrank steht nur zwei Schritte vom Sofa entfernt, und ich war ob dieses Komforts noch nie so froh, in der Küche keine Couch zu haben. Dazwischen die "ARD-Weltreise", eine langatmige, pseudolustige Show mit Bildungsauftrag über schöne Reiseziele. Es wäre spannender gewesen, dem Drehteller meiner Mikrowelle zuzusehen, wenn ich eine hätte. Wann werden die TV-Macher endlich verstehen, dass die Zeit stundenlanger, zäher Hauptabendshows längst vorbei ist?

Auf 3sat erklärte man mir dann, wie dreist die Raucherlobby operiert und dass es niemals Zufall ist, wenn jemand öffentlich den Namen "Philip Morris" erwähnt (in Erwartung meines üppigen Schecks von der Tabaklobby buche ich nun einen ausgedehnten Urlaub - die Weltreise-Show hatte ja doch einen Zweck). Nach "Eco", wo man in eine weinerliche Schilling-Nostalgie verfiel, standen mir Polit-Journalismus ("Frost/Nixon") und Sex im Alter ("Wolke 9") zur Auswahl. Dank der Abschaltautomatik war der Fernseher aus, als ich wieder aufwachte. Vielleicht hätte ich mir doch die Erde von oben anschauen sollen. Oder ich sollte einfach ein Sofa in die Küche stellen und mir eine Mikrowelle zulegen.