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Milch-"Schleuderaktion" sorgt für Verärgerung

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Ein Liter Milch ab 49 Cent beim Diskonter: Wettbewerbsbehörde prüft, ob Marktmacht missbraucht wird.


Wien. Ein Liter Milch ab zwei Packungen ab 49 Cent - dieses Angebot einer Supermarktkette verärgert Landwirte. "Uns fehlt der Respekt vor der Arbeit, die in Milch drinnen steckt", kritisiert Landwirtschaftskammer-Sprecher Josef Siffert die "Schleuderaktion". Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), meint: "Diese Aktion schießt deutlich über das Ziel hinaus. Um diesen Preis kann niemand - weder in Österreich noch in Deutschland - Milch verkaufen." Wenn solche Preisaktionen Schule machen, verkomme Milch zu einem Schleuderartikel, befürchtet Költringer.

Stein des Anstoßes ist ein "1+1 gratis"-Angebot auf Milch, das beim zum Rewe-Konzern gehörenden Diskonter Penny am Freitag und Samstag gilt. Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes verlangt ein Aussetzen der Aktion: Die Kammer wehre sich, "wenn wir zusehen müssen, wie höchste Qualität zum Lockartikel degradiert wird."

Der Bauernbund ortet ebenso wie die VÖM Marktmachtmissbrauch - weil Milch unter dem Einstandspreis verkauft werde. In der Produktion kostet ein Liter Milch mehr als 49 Cent: Der Bauer bekommt rund 42 bis 43 Cent (inklusive Umsatzsteuer) für das Kilogramm Milch, dazu kommen Kosten für die Weiterverarbeitung in der Molkerei, Verpackung und Transport. Aufgeschlagen wird noch eine Gewinnmarge. Auf diese verzichtet die Handelskette in diesem Fall: "Die Kosten der aktuellen Aktion tragen wir, sie geht nicht zulasten der Molkereien und Bauern", so eine Rewe-Sprecherin. Penny biete wie auch andere Mitbewerber seit einiger Zeit immer wieder "1+1 Aktionen" über alle Warengruppen an.

Bauernmilchpreis sinkt

Nun prüft die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), ob bei der Penny-Aktion ein Marktmachtmissbrauch vorliegt. Dies ist der Fall, wenn ein marktbeherrschendes Unternehmen Waren sachlich nicht gerechtfertigt unter dem Einstandspreis verkauft. Der Bauernbund hat den Verdacht bei der BWB gemeldet. "Wir haben heute eine Eingabe erhalten", bestätigt eine BWB-Sprecherin.

Bei landwirtschaftlichen Produkten wie Milch oder Fleisch gelten Preisaktionen als sensibel. Preisvorgaben der Hersteller sind verboten - unter anderem deshalb wollen sich weder Landwirtschaftskammer noch VÖM auf einen Preis festlegen, der für einen Liter Milch gerechtfertigt wäre. Ernst Halbmayr von der alternativen Handelsgesellschaft Freie Milch Austria nannte zuletzt einen Verkaufspreis von 1,29 Euro im Handel, damit sich für heimische Milchbauern ein kostendeckender Milchpreis zwischen 40 Cent und einem Euro pro Kilo Milch ausgehen würde. Aufschläge gibt es beispielsweise für Bio- oder Heumilch. Der Bauernmilchpreis ist nach einem stetigen Anstieg seit August 2012 seit März dieses Jahres aufgrund der großen Milchmengen im Sinken. Mit dem Auslaufen der EU-Milchquote Ende März 2015 wird ein Preisverfall befürchtet, weil die Bauern ab diesem Zeitpunkt so viel produzieren können, wie sie wollen.

Täglicher Einkauf wurde teurer

Milch, Käse und Eier wurden im August im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent teurer, wie der Verbraucherpreisindex der Statistik Austria zeigt. Die Nahrungsmittelpreise stiegen um 1,9 Prozent, der tägliche Einkauf kostete 2,4 Prozent mehr. Insgesamt sank die Inflationsrate im August von 1,8 auf 1,7 Prozent im Jahresabstand - vor allem aufgrund von günstigerer Bekleidung und niedrigeren Spritpreisen. Hauptpreistreiber blieben Ausgaben fürs Wohnen. Mit 1,5 Prozent nach europäischer Berechnung wies Österreich mit Großbritannien die höchste Inflationsrate in der EU auf. Im Euroraum verharrte die Teuerung im August mit 0,4 Prozent unverändert auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Im August des Vorjahres hatte sie noch 1,3 Prozent betragen.