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Milchbauern stellen nun ein Ultimatum

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Den heimischen Milchbauern reicht es. Mehr als 4.000 haben sich zur IG-Milch zusammengeschlossen und fordern höhere Preise. Denn der "gnadenlose Preiskampf" der Handelsriesen gefährdet ihre Existenz. Als besondere Provokation sehen sie die Tatsache, dass die Milch in den Supermärkten zwar teurer wurde, die Bauern davon aber keinen Cent gesehen haben.


Milchprodukte werden von den vier großen Handelsketten (Billa/Penny, Spar, Hofer und Zielpunkt) zu Schleuderpreisen feilgeboten. Möglich mache dies die starke Marktstellung der Ketten, denen es gelingt, die Molkereien gegeneinander auszuspielen, erklärte IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil gestern in einer Pressekonferenz. Die Zeche für die Preistreiberei müssten die 50.000 Milchbauern zahlen. Zuletzt wollte ein Handelsriese Tiroler Emmentaler statt um 8,99 um 5,99 Euro pro Kilo verkaufen. Dies konnte IG-Milch-Vorstand Ernst Halbmayr jedoch mit Erfolg verhindern, berichtet er der "Wiener Zeitung".

Er sieht die Milchviehhalter von der Politik im Stich gelassen. "Das Grundnahrungsmittel Milch ist in ganz Europa unterbezahlt." Derzeit bekommen die heimischen Landwirte nur zwischen 26 und 28 Cent für den Liter. Das ergebe einen Stundenlohn von 3 bis 5 Euro. Aber erst ab 40 Cent sei das Überleben gesichert, so Halbmayr. Die IG-Milch fordert deshalb, dass dieser Preis innerhalb der nächsten zwei Jahre von den Molkereien bezahlt werden muss. Sollte dies nicht der Fall sein, dann drohen die Milch-Kämpfer mit einem europaweiten Lieferboykott, der leere Regale zur Folge hätte. Sogar die holländischen und deutschen Großproduzenten würden sich jederzeit anschließen, erläutert Halbmayr, da auch diese mittlerweile Probleme hätten, ihre Mitarbeiter zu entlohnen. Aus Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, Dänemark und Belgien wurde auch Boykottbereitschaft signalisiert.

Dass nur europaweite Aktionen Erfolg bringen, bestätigt indirekt auch die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter: "Eine Insellösung ist wegen der starken Exportabhängigkeit der Milchwirtschaft unrealistisch."

Heute machen die heimischen "Hördlbauern" mit Protestaktionen auf ihre Situation aufmerksam. Ihre Forderung: Bis September muss der Liter Milch mindestens 35 Cent bringen. Weiters wollen die Demonstranten wissen, in welche Taschen die jüngsten Milchpreiserhöhungen der Supermärkte geflossen sind.

Unmut erzeugt bei den Milchbauern auch das sogenannte Genusstauglichkeitskennzeichen, das jedes Lebensmittel aufweisen muss. Es dient laut IG-Milch-Obmann Leo Steinbichler aber lediglich der Irreführung. Denn das Sigel, dass nur den Ort der Abpackung kennzeichnet, suggeriere heimische Qualität. "Heidi-Butter wurde in Holland abgepackt, eventuell anderswo erzeugt, aber macht den Konsumenten glauben, dass sie von österreichischen Kühen stammt," so Steinbichler. "Bei einer Befragung meinten 9 von 10 Kunden, dass Heidi-Butter hier erzeugt wurde, weil der Vertrieb durch Delikatessa Wr. Neudorf stattfindet." Die IG-Milch fordert daher ein Zeichen, bei dem Missverständnisse gar nicht möglich sind.