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Militärische Bilderbuchkarriere

Von Vilja Schiretz

Politik

Generalmajor Rudolf Striedinger wird neuer Generalstabchef nach dem Abgang von Robert Brieger.


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Als Corona-Krisenmanager wurde Generalmajor Rudolf Striedinger einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, nun übernimmt er als Generalstabschef die höchste Funktion im österreichischen Bundesheer. Als Mitglied der gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination (Gecko) informierte er die Bevölkerung seit Ende 2021 über das Vorgehen gegen die Pandemie, Seite an Seite mit Bundeskanzler, Gesundheitsminister und seiner Gecko-Kollegin, der Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit Katharina Reich. Dass er sich bei Pressekonferenzen gerne im Tarnanzug präsentierte, sorgte für hochgezogene Augenbrauen.

Am Mittwoch gab Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) bekannt, dass die Wahl des Generalstabchefs auf den - schon im Vorfeld als Favorit gehandelten - 60-Jährigen gefallen war, der auch als Vertrauter Tanners gilt. Er tritt damit die Nachfolge von Robert Brieger an, der im Mai die Leitung des EU-Militärausschusses EUMC übernommen hatte.

Elf Interessenten

Insgesamt gab es elf Interessenten für den Posten, eine Begutachtungskommission befand sieben - darunter Striedinger - für "im höchsten Maße geeignet". Striedinger sei jedenfalls "einer ihrer besten Offiziere", wie Tanner in einer Aussendung nach der Bekanntgabe schrieb. Es gehe "um Kompetenz, militärisches Know-how, Verantwortung sowie um das richtige Gespür für unser Bundesheer, für unsere Soldatinnen und Soldaten und für alle, die im Bundesheer tätig sind", so Tanner. Striedinger bringe "all diese Eigenschaften mit".

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Auch Erich Cibulka, Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, zeigt sich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erfreut über Tanners Entscheidung. Striedinger habe eine "militärische Bilderbuchkarriere hingelegt und alle seine Aufgaben exzellent ausgeübt."

Striedinger ist schon seit 20 Jahren in Führungspositionen des Bundesheers tätig. Ab 2002 war der gebürtige Wiener Neustädter Leiter des Generalstabsbüros und der Generalstabsabteilung. Damit war er für die unmittelbare Unterstützung des Generalstabschefs zuständig sowie für die Koordinierung des Generalstabs mit der politischen Leitung des Ressorts. 2006 war er als Kommandant des österreichischen Kontingents sowie der Task Force North der Mission Eufor Althea in Bosnien und Herzegowina im Einsatz. 2011 wurde Striedinger Kommandant des Militärkommandos in Niederösterreich, 2016 wechselte er als militärischer Leiter in das Abwehramt, ab 2020 war er Stabschef von Verteidigungsministerin Tanner.

Seit Juli 2021 ist er Leiter der Generalstabsdirektion sowie stellvertretender Generalstabschef. Für Kritik sorgten seine Äußerungen 2020, die militärische Landesverteidigung sei nicht mehr die Kernaufgabe des österreichischen Bundesheeres.

Dennoch zweifelt man auch innerhalb der Opposition kaum an Striedingers Kompetenz, Kritik an Tanners Entscheidung gibt es dennoch. Douglas Hoyos, der Sprecher für Landesverteidigung der Neos, sieht in Striedinger zwar einen "durchaus geeigneten Offizier für diese Rolle", er moniert allerdings, dass das Parlament in die Besetzung des Postens nicht eingebunden war.

Reform im April beschlossen

"Seine fachlichen Qualifikationen kann man ihm nicht absprechen", sagt auch SPÖ-Landesverteidigungssprecher Robert Laimer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", er vermutet aber, dass nicht zuletzt Striedingers Nähe zur ÖVP Niederösterreich ausschlaggebend für seine Wahl war. Nachdem die Entscheidung nun feststeht, werde man sehen, "was er daraus macht."

Unklar ist derzeit noch, wie sich die im April beschlossene und viel kritisierte Strukturreform des Bundesheeres auf die Rolle Striedingers auswirken wird. Anstatt in fünf Sektionen gliedert sich das Verteidigungsministerium nun in drei Generaldirektionen, Tanner verspricht sich dadurch längerfristig eine schlankere und effizientere Verwaltungsstruktur.