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Militärputsch in Honduras: Rückkehr der Hexer?

Von Leo Gabriel

Gastkommentare
Der Autor ist Journalist, Anthropologe und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für interkulturelle Forschung und Zusammenarbeit. Er war Spitzenkandidat der Linken-Liste.

Der politisch-militärische Konflikt in Honduras wird selbst durch das Dialogangebot des costaricanischen Staatspräsidenten Oscar Arias nicht so ohne weiteres beigelegt werden.


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Es gibt wohl kaum ein Ereignis seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama, das einen derartigen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat wie der Staatsstreich in Honduras am 28. Juni 2009.

Obwohl sich seine in innerhonduranische Querelen verstrickten Auftraggeber krampfhaft bemühten, ihre wirklichen politischen Motive hinter einer scheinbar demokratischen Fassade zu verstecken, war für die Weltöffentlichkeit bereits vom ersten Tag an klar, dass es sich bei dem unter Beteiligung der honduranischen Armee durchgeführten Manöver um einen geopolitischen Schachzug handelte, dessen Tragweite weit über die Grenzen von Honduras hinausreichte.

Nur allzu sehr erinnerten die Bilder des gewaltsam außer Landes gebrachten Staatspräsidenten Manuel Zelaya von der liberalen Partei an die Zeiten, in denen die CIA sich einiger den USA genehmer hochrangiger Militärs bediente, um gegen linksliberale oder sozialistisch orientierte Präsidenten wie Jacobo Arbenz (Guatemala), Juan José Torres (Bolivien), Getulio Vargas (Brasilien) oder Salvador Allende (Chile) zu putschen, sie zu ermorden oder ins Exil zu vertreiben.

Doch diesmal war es anders: Die im Sica (Sistema de la Integración Centroamericana) und in der sogenannten Rio-Gruppe zusammengeschlossenen Regierungen Zentral- und Lateinamerikas verurteilten den Staatsstreich ebenso wie die Europäische Union, die US-Regierung, die UNO-Generalversammlung und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die nach einem gescheiterten Dialogversuch mit den neuen Machthabern Honduras kurzerhand aus ihren Reihen ausschloss.

Diejenigen aber, die hofften, dass der zwischen Managua, San Salvador und Washington hin und her eilende Staatspräsident von Honduras aufgrund des neuen geopolitischen Kräfteverhältnisses wieder in seine Heimat zurückkehren konnte, wurden bitter enttäuscht.

Der vom honduranischen Parlament eilends ins Präsidentenamt gehievte Roberto Micheletti, ein alter innerparteilicher Rivale Zelayas, erwies sich als ebenso unnachgiebig wie die Armee, die am Tag der geplanten Rückkehr des Präsidenten den Flughafen samt Landepisten besetzte und zwei der tausenden Demonstranten durch gezielte Kopfschüsse niederstreckte.

Dass der politisch-militärische Konflikt in Honduras selbst durch das von den USA jetzt eingefädelte Dialogangebot des costaricanischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Oscar Arias nicht so ohne weiteres beigelegt werden wird, ist jedem klar, der mit den sozialen und politischen Verhältnissen in Honduras einigermaßen vertraut ist - zumal die Hexenjagd gegen die widerständischen Anhänger Zelayas, unter denen sich viele Vertreter der Bauernorganisation "Via Campesina", Gewerkschafter und Journalisten befinden, unvermindert weitergeht.