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Milliarden-Kapitalerhöhung: Bank Austria muss warten

Von Karl Leban aus Prag

Wirtschaft

Aufsicht brütet seit Monaten über der Genehmigung, Okay aber wohl noch heuer.


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Prag. Der italienische Finanzriese Unicredit will seine Wiener Tochter Bank Austria mit mehr Kapital ausstatten. Noch aber fehlt die Zustimmung der Regulatoren. Bei der geplanten Kapitalerhöhung, die bereits seit dem Frühjahr angekündigt ist, geht es um "mehr als eine Milliarde Euro", wie Bank-Austria-Chef Willibald Cernko der "Wiener Zeitung" bei einer Pressereise mit österreichischen Journalisten sagte. Nähere Details verriet der Banker nicht.

Da es sich um einen grenzüberschreitenden Kapitaltransfer handelt, hat die Bankenaufsicht in Italien ein gewichtiges Wort mitzureden. Mittlerweile ist sie schon seit Monaten mit der Sache befasst, in das Abstimmungsprozedere eingebunden sind aber auch die österreichischen Aufseher. Cernko hofft jedenfalls auf ein baldiges Okay, um die Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen zu können.

Nur noch "Rosinen-Picken"

Die letzte Kapitalerhöhung bei der Bank Austria liegt mehr als drei Jahre zurück. Stolze zwei Milliarden Euro flossen damals während der Krise von Mailand nach Wien. Das war auch der Grund, warum das Institut anders als große Mitbewerber ohne staatliche Kapitalhilfe auskam.

Per Ende Juni hatte die Bank Austria eine harte Kernkapitalquote von 11,1 Prozent. Damit gilt sie mit Blick auf das neue, wesentlich strengere Kapitalregime Basel III zwar schon jetzt als mehr als ausreichend kapitalisiert. Wachsen - so die Konzernvorgabe - soll die Bank aber auch in Zukunft, und dafür soll der Kapitalpolster nun entsprechend aufgefüllt werden.

Weiteres Wachstum steht nach den Lehren der globalen Finanzkrise jedoch nur noch in ausgewählten Märkten Osteuropas, für das die Bank Austria als Unicredit-Tochter ebenfalls zuständig ist, auf der Agenda. "Wir konzentrieren uns jetzt auf die attraktivsten Länder der Region", sagte Osteuropa-Vorstand Gianni Franco Papa. "Das sind Russland, die Türkei, Polen sowie Tschechien und die Slowakei."

Wobei die Bank ihr Netz in Osteuropa da und dort noch straffen wird, um Synergien zu heben. So soll etwa die vor wenigen Monaten angekündigte Verschmelzung der Tochterbanken in Tschechien und der Slowakei mit 1. Dezember 2013 rechtlich abgeschlossen sein, teilte Papa mit. Die Zustimmung der tschechischen und slowakischen Behörden und Notenbanken für das Fusionsprojekt habe man inzwischen.

Den aktuellen Marktanteil der beiden Banktöchter bezifferte Papa mit jeweils sieben Prozent. "In der Tschechischen Republik sind wir damit Nummer vier und in der Slowakei Nummer fünf." Nach der Fusion werde man in beiden Ländern rund 170 Filialen und gut 3000 Mitarbeiter haben, dazu kämen noch eine Reihe von Franchise-Niederlassungen in Tschechien. Die Zentrale der fusionierten Bank wird in Prag angesiedelt sein.

Rückzug aus dem Baltikum

Umgebaut wird auch in der Ukraine. "Mit zwei Banken haben wir dort fünf Jahre lang fast die gleiche Kundschaft bedient", so Papa. Jetzt sollen die Ukrsotsbank und die kleinere Unicredit Bank Ukraine zusammengelegt werden. Wie in Tschechien und der Slowakei will die Bank Austria damit Kosten drosseln. Wie viele Jobs dabei in diesen Ländern wegfallen werden, wollte Papa jedoch nicht sagen. Es dürfte jedenfalls um hunderte Arbeitsplätze gehen.

Zur neuen Strategie des selektiven Wachstums passt auch der Rückzug aus Kleinstmärkten. "Im Baltikum fahren wir das Geschäft herunter", sagte Papa. Die Banken in Litauen und Estland seien bereits zugesperrt worden, und in Lettland wolle man nur noch über Leasing präsent sein. "Wir hatten in jedem der Märkte nur 1 bis 1,5 Prozent Marktanteil", erklärte Papa. "Die großen Spieler - nordische Banken - kommen hingegen auf 15 bis 20 Prozent. Es gibt keinen Grund für uns, dort zu sein."

Dass Osteuropa trotz massiver Nachwehen der Weltwirtschaftskrise Zukunft hat, daran glaubt Papa nach wie vor. "Wir sehen Zeichen für eine Erholung. Kapital und ausländische Direktinvestitionen fließen wieder in die Region zurück."

Für heuer gehen die Ökonomen der Bank Austria davon aus, dass die Volkswirtschaften Osteuropas im Durchschnitt um 2,4 Prozent wachsen. Für 2014 sagen sie ein Plus von 2,7 Prozent voraus.